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	<title>Ralf Geißler</title>
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	<description>Texte und Töne</description>
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		<title>Genosse Genießer</title>
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		<pubDate>Thu, 03 May 2012 08:55:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ralfgeissler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Sebastian Scheel sieht aus wie ein Banker und war auch schon mal Mormone. Kann so einer Spitzenkandidat von Sachsens Linken werden? DIE ZEIT, 03.05.2011 Der Mann, der ein Hoffnungsträger für Sachsens Linke sein will, weiß, wie man sich ganz unten &#8230; <a href="http://www.ralf-geissler.de/2012/05/genosse-genieser/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Sebastian Scheel sieht aus wie ein Banker und war auch schon mal Mormone. Kann so einer Spitzenkandidat von Sachsens Linken werden?</strong></p>
<h5><strong>DIE ZEIT</strong>, 03.05.2011</h5>
<p>Der Mann, der ein Hoffnungsträger für Sachsens Linke sein will, weiß, wie man sich ganz unten fühlt. Sebastian Scheel hat als junger Mann von 19 Jahren Müll sortiert. Er stand als Leiharbeiter an einem Förderband in Berlin und stocherte in Hausabfällen. Der Dreck der Hauptstadt zog an ihm vorbei. »Einmal habe ich ein paar entsorgte Bücher mitgenommen«, sagt Scheel. Um die habe es ihm leidgetan.</p>
<p>Heute sitzt er in einem dunklen Anzug von Calvin Klein bei einem Milchkaffee im Sächsischen Landtag. Ein schlanker Mittdreißiger, der ein weißes Hemd mit Manschettenknöpfen, Seidenkrawatte und italienische Schuhe trägt. Nichts erinnert mehr an jene Zeit, als er sich mit Hilfsarbeiterjobs etwas dazuverdiente. Salonkommunist nennen ihn Spötter heute. Scheel lächelt darüber. »Im Herzen bin ich Punk geblieben«, sagt er. Ein Punk mit Designerbrille.</p>
<p>Ihn wollen viele in der sächsischen Linken für die Landtagswahl 2014 zum Spitzenkandidaten ausrufen. »Wenn die Partei mich will, kann ich mir eine Kandidatur gut vorstellen«, sagt Scheel. Für manchen ist er schon »Tillichs härtester Gegner« <em>(Bild)</em>. Doch Härte ist nicht sein auffälligstes Merkmal. Scheel ist ein Suchender. Er testet gern. Sich selbst und andere. <a title="Genosse Genießer" href="http://www.zeit.de/2012/19/S-Portraet-Scheel/komplettansicht" target="_blank">Weiterlesen</a></p>
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		<title>Gottschalks Retter</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Apr 2012 09:15:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ralfgeissler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Markus Peichl gilt als Alleskönner. Er hat Zeitschriften gegründet, Politiker beraten, Fernsehsendungen erfunden und Musikvideos produziert. Nun soll er die ARD-Vorabendsendung von Thomas Gottschalk aus dem Quotentief holen. Peichl wird kämpfen. Aber kann er noch gewinnen?  journalist, 04/2012 Der Mann, &#8230; <a href="http://www.ralf-geissler.de/2012/04/gottschalks-retter/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Markus Peichl gilt als Alleskönner. Er hat Zeitschriften gegründet, Politiker beraten, Fernsehsendungen erfunden und Musikvideos produziert. Nun soll er die ARD-Vorabendsendung von Thomas Gottschalk aus dem Quotentief holen. Peichl wird kämpfen. Aber kann er noch gewinnen? </strong></p>
<h5> journalist, 04/2012</h5>
<p><a href="http://www.ralf-geissler.de/2012/04/gottschalks-retter/peichl/" rel="attachment wp-att-571"><img class="alignleft size-full wp-image-571" title="Peichl" src="http://www.ralf-geissler.de/wp-content/uploads/2012/05/Peichl.jpg" alt="" width="215" height="308" /></a>Der Mann, der Thomas Gottschalk retten soll, will Ruhe. Markus Peichl hat sich in ein schlichtes Büro zurückgezogen und sieht sich die 31. Sendung von <em>Gottschalk Live</em> an. Allein. Vor der verschlossenen Tür wacht sein Team darüber, dass ihn keiner dabei stört. Schon gar kein Reporter.</p>
<p>Man denkt sich, wenn man jetzt in einem unbeobachteten Moment trotzdem mal guckt, wie er da so sitzt, müsste das in Ordnung sein. Peichl hat ein Herz für Hartnäckige. Vor vielen Jahren ließ er eine Interview-Anfrage an Götz George an einen Stein gebunden durch dessen Fenster werfen, weil der Schauspieler auf Anrufe und Post nicht reagiert hatte. Man drückt also beherzt die Türklinke. Peichl blickt auf, lächelt und sagt: „Geben&#8217;s mir bitte die Minuten bis zum Ende der Livesendung.“ Der 53-Jährige schaut wieder auf seinen Fernseher und streift mit der Hand über seinen Bart. Edler Anzug, helles Hemd, schwarz gerahmte Brille. Er sieht nicht so aus, als würde er Steinewerfen noch gut finden.</p>
<p>Im März hat Markus Peichl den vielleicht undankbarsten Medienjob der Republik übernommen: Redaktionsleiter von <em>Gottschalk Live</em>. Peichl soll aus einem alten Zirkuspferd wieder ein Rennpferd machen. Er braucht ein Wunder. Wochenlang fanden Kritiker gar nichts Gutes mehr an der Sendung, die von Grundy Light Entertainment für die ARD produziert wird. Fast 30 Folgen dümpelte die Vorabendshow vor sich hin. Konzeptlos und langweilig. An schlechten Tagen lockte Gottschalk nicht einmal mehr eine Million Zuschauer vor die Bildschirme. Vom „Dead Man Talking“ war die Rede. Jeder konnte sehen: Gottschalk fühlte sich unwohl.</p>
<p>Jetzt soll Peichl für Wohlbefinden sorgen: beim Showmaster, bei der Redaktion und beim Publikum. „Ich glaube felsenfest daran, dass die Sendung eine Chance hat“, sagt er. „Gottschalk ist ein großer Entertainer. Wir müssen seine Talente mit einem zeitgemäßen Format verbinden.“ Das klingt wolkig, und doch ist Peichl der einzige, dem man die Wende zutraut.</p>
<p><span id="more-570"></span></p>
<p>Peichl hat Zeitschriften wie das legendäre Zeitgeist-Magazin <em>Tempo</em> erfunden. Er hat Musikvideos gedreht und Moderatoren beraten. Er hat mit <em>0137</em> die erste tägliche Talksendung Deutschlands produziert und die erste deutsche Reality-Show <em>Das wahre Leben </em>verantwortet. Peichls Einfluss auf die Medienlandschaft lässt sich kaum überschätzen. Der gebürtige Österreicher hat den Ruf eines nimmermüden Kreativen.</p>
<p>Als erste Maßnahme hat er Gottschalk ein Saal-Publikum verordnet und den Entertainer zu mehr Selbstironie ermuntert. Jetzt lacht selbst Gottschalk darüber, wie sich andere über seinen Abstieg lustig machen. Er sagt Sätze wie: „Werden Sie Zeuge, ob ein Titan den Quotentod stirbt oder ob das Schiller-Wort aus ,Wilhelm Tell&#8217; sich bewahrheitet: Neues Leben wächst aus den Ruinen.“</p>
<p>Peichl will der Sendung endlich eine Struktur geben. Und er sucht nach etwas Unverwechselbarem. Es geht ihm darum, Gottschalks Stärken zu betonen. Seine Lässigkeit, seinen Humor. Er will keinen anderen Menschen aus ihm machen. „Die Erwartungen, die jetzt viele an ihn haben, kann, darf und muss er nicht erfüllen“, sagt Peichl. „Gottschalk ist ein Entertainer. Er ist kein Moderator und auch kein Journalist. Da sehe ich bei vielen ein Missverständnis.“</p>
<p>Viele Kritiker prophezeien der Sendung trotz Markus Peichl ein baldiges Ende. „Er kann das schaffen“, sagt hingegen Claudius Seidl von der <em>Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung</em>. Die beiden haben in den achtziger Jahren beim Magazin <em>Tempo</em> zusammengearbeitet und treffen sich gelegentlich privat – zuletzt zum Skifahren. „Peichls Stärke ist seine analytische Intelligenz“, sagt Seidl. „Er sieht sich drei Sendungen an und erkennt die Probleme.“ Die größte Hürde sei, dass Gottschalk nicht gut zuhören könne. „Er ist nicht in der Lage, mit Leuten zu reden, weil er sich nicht für sie interessiert.“ Doch das könne Peichl ihm beibringen.</p>
<p>Das Warm Up mit seinen Zuschauern macht Gottschalk immerhin selbst. Es ist fünf Minuten vor Sendebeginn, als der Gastgeber Kaugummi kauend in einem karierten Anzug ins Studio eilt. „Ihr seid ein junges, cooles Publikum“, sagt er nach einem Blick auf die Sitzreihen. „In Eurem Alter wisst ihr gar nicht, was die ARD ist.“ Lachen im Saal. Witze auf Kosten der Öffentlich-Rechtlichen kommen bei Unter-Dreißigjährigen gut an. Ob die ARD-Intendanten die nötige Selbstironie dafür haben, sei dahingestellt.</p>
<p>Vorm Studio hängt ein zwei Meter großes Gottschalk-Porträt – goldene Farbe auf schwarzem Untergrund. Das Bild aus dem Jahr 2011 erzählt trotzig: Die glänzenden Zeiten kommen wieder. Peichl wird dafür kämpfen.</p>
<p>„Ich habe früh gelernt, dass man fast alles erreichen kann, wenn man es wirklich will“, sagt der Redaktionsleiter. Als Teenager leitete Peichl in Wien die österreichweite Jugendzeitung <em>Kritik</em>. Er forderte die Abschaffung der Schülerzeitungszensur und Gesetze gegen Lehrer, die ihre Schüler schlagen. Einmal zog er er vor Gericht, weil er den Kultusminister der Lüge überführen wollte. Und verlor. Damit er nicht auf den Prozesskosten sitzen bleibt, traten namhafte Bands in einem Soli-Konzert für seine Zeitschrift auf.</p>
<p>Als der Liedermacher Wolf Biermann 1976 aus der DDR ausgebürgert wurde, träumte Peichl von einem Interview mit ihm. „Biermann, das war für mich wie den Papst zu interviewen“, sagt er. Peichl wusste, dass der Liedermacher beim Journalisten Günter Wallraff untergekommen war. Peichl fuhr hin und täuschte Interesse für dessen Investigativgeschichten vor. „Nach vier Stunden kam Biermann aus einem Nebenraum geschlurft, in Unterwäsche, und redete mit uns“, erinnert sich Peichl.</p>
<p>Der 53-Jährige versinkt jetzt in einem Sofa im Regent Hotel am Gendarmenmarkt, schräg gegenüber der Produktionsfirma. Peichl bestellt die vermutlich teuersten Curry-Würstchen Berlins (18 Euro) sowie ein Mineralwasser. Bei einem Chardonnay verliert er sich in Anekdoten aus seinem Leben.</p>
<p>Mit Anfang Zwanzig reiste Peichl als Fernsehjournalist für den <em>ORF</em> durch Polen. Er erfreute die Frau des Solidarność-Führers Lech Walesa mit einer Flasche Nina-Ricci-Parfum, für einen Termin mit ihrem Mann. Er filmte die Armut auf dem Land. „Ich kam aus einer antiautoritären linken Szene, wo man den Kommunismus nicht unbedingt ablehnte“, sagt Peichl. „Das Erleben der polnischen Diktatur hat mich über vieles nachdenken lassen.“</p>
<p>Der <em>Spiegel</em> hat ihn vor elf Jahren als Vertreter einer Sandwich-Generation porträtiert. Enttäuscht von den Idealen der Achtundsechziger. Aber auch nicht so unbekümmert wie die erste Computer-Generation, die heute taff durchs Internet surft. Eingeklemmt zwischen starken Vorgängern und starken Nachfolgern. Peichl gefiel der Text nicht sonderlich, auch, weil er darin mit Guido Westerwelle verglichen wurde. Er versteht sich als links sozialisierter, freier Geist, den die Machtbesessenheit vieler Achtundsechziger erschreckt hat.</p>
<p>„Meine Generation konnte keinen neuen theoretischen Überbau mehr schaffen“, sagt Peichl. Und so setzte er dem Verrat der Älteren an ihren Idealen etwas Ideologiefreies entgegen. Zeitschriften, in denen es um Popkultur, Pose und Ästhetik ging.</p>
<p>Zurück in Österreich übernimmt Peichl 1980 mit Michael Hopp die Chefredaktion des <em>Wiener.</em> Gemeinsam mit dem Designer Lo Breier machen sie ein Zeitgeist-Magazin daraus. Subjektiv, stilbewusst, ironisch. Die Auflage klettert auf 80.000 Exemplare. 1985 gründet Peichl in Hamburg für den Jahreszeiten Verlag die Zeitschrift <em>Tempo</em>. Er ist jetzt 27 Jahre alt.</p>
<p>Die Redaktion etabliert, angetrieben von überragendem Selbstbewusstsein und Unmengen Cola, den New Journalism in Deutschland mit subjektiv literarisch gefärbten Reportagen. Tom Kummer lässt sich für mehrere Tage in einen Keller einsperren, um über Isolationshaft zu schreiben. Eine Redakteurin bietet sich für eine Geschichte drei Wochen lang als Leihmutter an. Andere belegen im Selbstversuch, dass es die Wohnungssuche erleichtert, wenn man den Eigentümern sexuelle Dienste anbietet. Redakteure der etablierten Medien kotzen vom Olymp über den Stil der jungen Kollegen – und werden ihn später maßvoll kopieren.</p>
<p><em>Tempo</em> rüttelt an Grundfesten im Journalismus. Eine Trennung von Politik und Unterhaltung? Unnötig! Objektive Berichterstattung? Gibt es ohnehin nicht! „Das Dogma der journalistischen Objektivität ist ein Missverständnis“, sagt Peichl. „<em>Der Spiegel</em> war das manipulativste Medium der Republik. Er hat nur objektiv getan.“ Tempo verkauft nie mehr als 200.000 Exemplare. Doch der Einfluss des Heftes ist enorm. Autoren wie Christian Kracht, Matthias Horx, Moritz von Uslar und Maxim Biller veröffentlichten in Tempo ihre frühen Texte.</p>
<p>Auch Peichl schreibt. In der Nullnummer erscheint sein Porträt „Über einen, der sitzt“. Es geht um einen Freund im Rollstuhl. Er hatte den Text ursprünglich für einen Wettbewerb geschrieben, ging dort aber leer aus. Geehrt wird er trotzdem. Peichl holt mit dem Porträt 1985 den 3. Platz beim Kischpreis als damals jüngster und bis heute einziger Autor, dessen Artikel nie regulär veröffentlicht wurde.</p>
<p>„Der junge Peichl war leidenschaftlich, genialisch, manisch und durchsetzungsfähig“, sagt Liane Uecker. „Und das in einer Art, wie ich sie nie wieder bei einem Chefredakteur erlebt habe.“ Uecker hat als Chefin vom Dienst bei Tempo gearbeitet. Sie sagt, Peichl hat <em>Tempo</em> nicht nur geleitet, er war dieses Magazin. „Wenn wir 3 Uhr morgens nach Hause gingen, saß er immer noch an seinem Schreibtisch und arbeitete an Texten“, erinnert sie sich. Gut genügte ihm nicht. Es musste perfekt sein. Einmal schrieb Peichl gar den Vorabdruck eines Buches um. Aufgrund seines selbstquälerischen Perfektionismus&#8217; kam nahezu jede Ausgabe zu spät an die Kioske. Meistens nur einige Tage. Einmal sogar zwei Wochen.</p>
<p>Im Frühjahr 1988 fälschte die Redaktion das SED-Blatt <em>Neues Deutschland</em>, schmuggelte ein paar tausend Exemplare über die Grenze und verteilte diese in Leipzig und Ost-Berlin. In der täuschend echt aussehenden Kopie versprach SED-Chef Erich Honecker den neuen Kurs „Glasklar – für Transparenz und Pluralismus in der DDR“. Aufsehen erregte auch eine Story, für die <em>Tempo</em>-Redakteure Bürgermeistern Bauland abkaufen wollten, um ein Lager für HIV-Infizierte zu errichten. Die vorgelegten Baupläne ähnelten dem Konzentrationslager Sachsenhausen. Acht von zehn Gemeinden zeigten dennoch Interesse.</p>
<p>1990 wird Peichl als <em>Tempo</em>-Chefredakteur entlassen. Es heißt, Verleger Thomas Ganske habe die Unpünktlichkeit Peichls nicht mehr ertragen. Aber das war nicht der einzige Grund. Peichl hatte kurz vor seinem Rauswurf ultimativ eine bessere Ausstattung für seine Redaktion gefordert. „Wir versuchten Monat für Monat, uns mit dem <em>Stern</em> oder der <em>ZEIT</em> zu messen, hatten aber deutlich weniger Möglichkeiten.“ Peichl sagt, er sei ausgebrannt gewesen, aber konnte nicht loslassen. Ganske musste ihn vor die Tür setzen.</p>
<p>Es ist paradox, dass der notorisch unpünktliche Peichl und der für seine Überziehungen berüchtigte Thomas Gottschalk nun gemeinsam eine Livesendung machen, in der es auf sekundengenaues Arbeiten ankommt. Gottschalk muss die fest eingeplanten Werbeblöcke im ARD-Vorabendprogramm zeitlich exakt antexten, was ihm nicht immer gelingt.</p>
<p>An einem Dienstag Mitte März ist die Moderatorin Barbara Schöneberger zu Gast in der Show. Die beiden gucken alte Fotos an. „Man denkt immer, dass man sich nicht verändert und dann sieht man solche Fotobeweise und weiß, man ist nicht mehr so wie früher“, sagt Schöneberger. Gottschalk erwidert: „Meine Fotobeweise sind ja noch in schwarzweiß …“ Eines dieser Bilder liegt in der Studio-Deko. Es zeigt ihn mit Günther Jauch. Ein Zuschauer würde das Bild gern mitnehmen und spricht Gottschalk nach der Show darauf an. Der Moderator windet sich. „Das ist ein Original“, sagt er. Er habe auch keine Zeit mehr zum Signieren. „Ich muss mir jetzt meinen Anschiss abholen.“</p>
<p>Jeden Abend werten Gottschalk und Peichl die Sendung aus. Sie verschwinden hinter einer Tür, die von der PR-Dame argwöhnisch bewacht wird. Daneben steht ein Getränke-Kühlschrank, der mit einem Schloss gesichert ist. Vielleicht befürchtet die Redaktion, dass sich Gottschalk hier betrinkt. Grundlos wäre es nicht.</p>
<p>Nach 15 Minuten hat der Entertainer seinen „Anschiss“ abgeholt. Gottschalk kann noch lachen. „Er ist mein Retter und Erlöser“, sagt er über Peichl. Der Erlöser schmunzelt.</p>
<p>Peichl könnte derzeit täglich Interviews geben. Wie er Gottschalk sieht, wie er die Show retten will, ob die ARD noch hinter ihm steht. Peichl hat aber keine Zeit. Im Nebenjob leitet er noch die Lead Academy, kämpft in der Bürgerinitiative „Schützt Potsdam“ gegen die Flugrouten des neuen Hauptstadtflughafens, berät Politiker und leitet die Galerie Crone in Kreuzberg. Anfang März flog er fix zu einer Kunstmesse nach New York. „Fünf Stunden Schlaf, das muss derzeit genügen“, sagt er. Dafür sieht er erstaunlich wach aus.</p>
<p>Peichl hat angekündigt, dass sich die Veränderungen in der Show im Sommer in der Einschaltquote niederschlagen werden. „Was an Schaden angerichtet wurde, das kehrt man nicht in drei bis vier Wochen auf.“ Doch es ist fraglich, ob ihm so viel Zeit bleibt. Am 23. April wollen die Intendanten der ARD wieder über Gottschalk beraten. Dann muss ein deutlicher Trend nach oben erkennbar sein. Ansonsten, so heißt es, könne man von einem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen. Zur Sommerpause wäre dann Schluss.</p>
<p>Auf dem Fernseher im Flur der Produktionsfirma läuft der Abspann von <em>Gottschalk Live</em>. Ausgerechnet der Redaktionsleiter ist falsch geschrieben: Markus Peichel. Ihn stört das nicht. „Ich kümmere mich hier um die wichtigen Dinge“, sagt er. Dazu gehöre auch, Gottschalk seine Würde wiederzugeben. Einen Tag später ist Peichls Name im Abspann geändert, in Markus Pichl. Um die Würde des Redaktionsleiters scheint sich hier keiner zu sorgen.</p>
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		<title>Ein Dorf macht Kohle</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Dec 2011 09:31:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ralfgeissler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Die sorbische Ortschaft Schleife soll einem Tagebau weichen – fast wirkt es so, als freue sie sich darauf. Geschichte einer Bescherung DIE ZEIT, 22.12.2011 Man muss sich Schleife vorerst als einen friedlichen Ort vorstellen. Die Häuser sehen aus, als hätte &#8230; <a href="http://www.ralf-geissler.de/2011/12/ein-dorf-macht-kohle/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die sorbische Ortschaft Schleife soll einem Tagebau weichen – fast wirkt es so, als freue sie sich darauf. Geschichte einer Bescherung</strong></p>
<h5><strong>DIE ZEIT</strong>, 22.12.2011</h5>
<p>Man muss sich Schleife vorerst als einen friedlichen Ort vorstellen. Die Häuser sehen aus, als hätte der liebe Gott sie bei einem Spaziergang verstreut: So großzügig verteilen sie sich zwischen Feldern und Wäldern im flachen Lausitzer Land. Nur bei Südostwind kann man am Dorfrand die Bagger des fünf Kilometer entfernten Braunkohletagebaus Nochten hören. Jene Bagger, die in einigen Jahren wohl auch Teile von Schleife vernichten werden. Denn das Dorf der sorbischen Minderheit soll für den deutschen Energiehunger weichen – zumal in Zeiten des Atomausstiegs. Mehr als 1.500 Menschen müssten ihre Häuser räumen. Doch kaum jemand wehrt sich.</p>
<p>Wenn man die Menschen in Schleife fragt, was sie über den Tagebau denken, gehen die meisten schweigend weiter. Nirgendwo steht ein Schild: »Rettet unsere Heimat!« Der Bürgermeister sagt: »Proteste wie in Horno oder Heuersdorf werden Sie bei uns nicht erleben.« Vernehmbaren Widerstand leistet nur eine 73-jährige Rentnerin. Edith Penk lebt am Dorfrand in einem Einfamilienhaus, das ihre Eltern in den 1930er Jahren erbaut haben und das sie mit ihrem Mann später aufgestockt hat. »Jeder Ziegel ging mehrfach durch unsere Hände«, sagt sie. »Mich kriegt hier niemand weg.« Da müsse die Polizei sie schon wegtragen.</p>
<p>Penk liebt ihr Dorf und ärgert sich über seine Bewohner. Im Jahr 2009 gab es eine Umfrage. Die Schleifer sollten darüber Auskunft geben, ob sie schon jetzt die drohende Umsiedlung planen wollen oder lieber noch abwarten möchten – denn es besteht kein Grund zur Eile. Zwar will der Energiekonzern Vattenfall den Flöz unter Schleife mit rund 310 Millionen Tonnen Kohle ausbeuten, doch bis der Antrag die politischen Gremien durchlaufen hat, dauert es noch bis Ende 2012. Trotzdem sprachen sich reichlich 70 Prozent dafür aus, schon sogleich ein neues Dorf zu entwerfen.  Weiterlesen auf <a href="http://www.zeit.de/2011/52/S-Kohletagebau-Schleife/komplettansicht" target="_blank">ZEIT Online</a></p>
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		<title>Der Spielverderber</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Dec 2011 17:46:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ralfgeissler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>

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		<description><![CDATA[Früher war Hajo Seppelt Wettkampfschwimmer. Heute ist er einer der unbequemsten Sportjournalisten in Deutschland, der nicht nur in Funktionärskreisen, sondern zum Teil auch unter Journalistenkollegen umstritten ist. Seppelt ist Aufdecker und Eigenbrötler zugleich. Für die ARD wird er 2012 wieder &#8230; <a href="http://www.ralf-geissler.de/2011/12/der-spielverderber/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Früher war Hajo Seppelt Wettkampfschwimmer. Heute ist er einer der unbequemsten Sportjournalisten in Deutschland, der nicht nur in Funktionärskreisen, sondern zum Teil auch unter Journalistenkollegen umstritten ist. Seppelt ist Aufdecker und Eigenbrötler zugleich. Für die ARD wird er 2012 wieder als Dopingexperte von den Olympischen Spielen berichten.</strong></p>
<h5> journalist, 12/2011</h5>
<p>Es gab Zeiten, da wirkte Hajo Seppelt selbst wie gedopt. Er arbeitete unermüdlich, denn er wollte der Beste sein, der erste Enthüller der ARD in Sachen schmutziger Sport. Seppelt suchte deutsche Verbindungen zum spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes, er recherchierte zur Wiener Blutbank, erklärte in Fernsehinterviews so seltsame Medikamente wie Hydrochlorothiazid und verriet, was Testosteron noch so bewirkt – außer, dass es einen Mann zum Mann macht. Nebenbei drehte er Dokumentarfilme wie Geheimsache Doping oder Mission: Sauberer Sport.</p>
<p>Man konnte den Eindruck gewinnen, Seppelt vertraue jedem Versicherungsvertreter mehr als den Sportfunktionären. Wenn mal wieder ein Tour-de-France-Fahrer mit ungewöhnlichen Blutwerten ertappt wurde, donnerte Seppelt ins Mikrofon: „Alle haben geschwiegen, das ist mal wieder typisch. Es ist ein Kartell der Vertuscher, der Verschweiger und leider auch der Lügner.“ Und man fragte sich, ob es wirklich Liebe zum Sport war, die Seppelt Sportjournalist werden ließ. Falls ja, dann steckte er jetzt in einer Beziehungskrise. Aber lag das an ihm?</p>
<p>„Ich weiß, dass mir manche Kollegen nachsagen, von missionarischem Eifer getrieben zu sein“, sagt Seppelt. „Aber ich bin in dieser Hinsicht gelassener geworden.“ Der 48-Jährige lehnt sich im Restaurant des ARD-Hauptstadtstudios auf seinem Stuhl zurück, doch er sieht nicht lässig aus. Seppelt trägt ein bis zum Kragen zugeknöpftes, kariertes Hemd und löffelt eine Kartoffelsuppe. Vor den Fenstern versinkt Berlin in einer kalten Nacht, ein paar Jogger laufen an der Spree entlang.</p>
<p><span id="more-549"></span></p>
<p>Die vergangenen Monate hat Seppelt wenig gearbeitet, doch er will bald wieder loslegen. Ende Juli beginnen die Olympischen Sommerspiele in London, und Seppelt soll als ARD-Dopingexperte dabei sein – das haben die Verantwortlichen im November entschieden. „Die Recherchen beginnen schon viel früher“, sagt er, „denn gedopt wird ja in den Monaten vor den Wettkämpfen.“ Womöglich wird er schon bald wieder mit versteckter Kamera bei windigen Ärzten, zwielichtigen Apothekern und kriminellen Trainern vor der Tür stehen.</p>
<p>Für seine Arbeit wird Seppelt geachtet und gehasst, denn er vertritt in Sachen Doping eine sehr grundsätzliche Haltung. „Ich finde es bedenklich, dass wir immer neue Weltrekorde sehen wollen“, sagt er. „Der menschliche Körper hat eine Leistungsgrenze. Und die ist in vielen Sportarten erreicht.“ Es könne kein ewiges Höher-Schneller-Weiter geben. Auch der achte Platz bei Olympia sei eine immense Leistung.</p>
<p>Seppelt hält nichts vom Begriff Dopingsünder, weil er von den Strukturen und Hintermännern ablenke. Und er bezweifelt, dass Sportkommentatoren immer die nötige Distanz zu ihrem Berichterstattungsgebiet haben. „Manche kommentieren so begeistert und voller Bewunderung für die Athleten, dass kritisches Hinterfragen der Leistungen und tiefgründigere Recherchen oft zu kurz kommen“, sagt er. Der distanzierte Blick auf die kommerziellen Auswüchse des Spitzensports fehle ebenso.</p>
<p>Als Seppelt anfing, sich mit Doping zu beschäftigen, recherchierte er auch zu Kristin Otto, der ZDF-Moderatorin und einst erfolgreichen Schwimmerin aus Leipzig. „In der DDR wurde in vielen Sportarten systematisch gedopt“, sagt Seppelt, „junge Schwimmerinnen etwa bekamen männliche Hormone verabreicht, häufig ohne ihr Wissen.“ Er fand Zeitzeugen und Dokumente, die diesen Verdacht auch bei Otto erhärteten. Doch die sechsfache Olympiasiegerin bestreitet bis heute, vom Doping gewusst zu haben. Beim ZDF waren manche Sportredakteure ziemlich sauer über die Recherchen des ARD-Kollegen.</p>
<p>Seppelt hat früher selbst Wettkämpfe geschwommen. Als junger Mann war er dreimal West-Berliner Jahrgangsmeister. „Mangels Konkurrenz“, wie er sagt. Denn zweimal trat außer ihm niemand in seiner Altersklasse an. Später trainierte er ein kleines Schwimmteam in Berlin-Lichterfelde. Doch eigentlich wollte er Lehrer werden – oder Journalist. Schon als Schüler hatte er mit Mikrofon und Kassettenrekorder eigene Radiosendungen gebastelt und beim damaligen RIAS über Jugendsport berichtet. Nach dem Abitur begann Seppelt, in Berlin Sport und Sozialkunde auf Lehramt zu studieren, und schrieb nebenbei für den Tagesspiegel und die dpa.</p>
<p>Nach einem Praktikum beim Sender Freies Berlin (SFB) wurde er dort Mitarbeiter der Sportredaktion, brach sein Studium ab und durfte 1992 nach Barcelona: Olympische Sommerspiele. Seppelt kommentierte für die ARD Schwimmwettkämpfe. Davon verstand er etwas. Er saß am Beckenrand und rechnete in Millisekunden Siege und Niederlagen vor. Er machte in etwa das, was er heute an vielen Kollegen kritisiert: Wettkampfberichterstattung in einem werberelevanten Umfeld. Er war Teil des Systems. Doch das System wurde ihm fremd.</p>
<p>1995 traf er auf eine weinende Franziska van Almsick. Die Schwimmerin hatte bei der Europameisterschaft das Finale über 200 Meter Freistil verpasst. „Sie hat zu mir gesagt: ‚Ick will keen Superstar mehr sein‘“, erinnert sich Seppelt. Das habe ihn tief bewegt. Seine Zweifel wuchsen. „Ich habe den immensen Druck gespürt, der auf den Sportlern lastet“, sagt er. „Ich fand es zunehmend fraglich, dass schon Kin der nach darwinistischem Prinzip ausgewählt wurden, um sie zu Höchstleistern zu züchten.“</p>
<p>Es ist ein sonniges Novemberwochenende, als Hajo Seppelt das WDR-Funkhaus am Kölner Wallrafplatz betritt. Hier tagt das Netzwerk Recherche. Thema: Tunnelblick – Woran Recherchen scheitern können. Seppelt soll über seine Erfahrungen mit dem Radsportverband berichten. Bis die Podiumsdiskussion beginnt, hat er noch Zeit. Er setzt sich in eine Veranstaltung über Recherchen in radikalen Milieus. Es geht um Neonazis und Islamisten, die Blindheit mancher Ermittler und die Zuverlässigkeit von Informanten. Ernste Themen, doch das Podium lockert die Stimmung mit Ironie auf.</p>
<p>Der Saal lacht oft. Nur Seppelt verzieht keine Miene. Er sitzt in seinem Strickpullover mit verschränkten Armen in der letzten Reihe. Plötzlich fällt einem als Reporter auf, dass Seppelt seit der ersten Begegnung noch kein einziges Mal gelacht hat. Er wirkt oft unnahbar, als hätten ihn seine Recherchen hart, verschlossen und penibel gemacht.</p>
<p>14 Jahre hat Seppelt Schwimmwettkämpfe für die ARD kommentiert. Doch dann beschlossen sieben von neun Sportchefs, ihm den Job wegzunehmen. Eine E-Mail soll der Auslöser gewesen sein. Eine E-Mail, in der Seppelt 2006 die Jubelreportagen im ARD-Sport anprangerte und klagte, dass investigative Dopingberichterstattung „nicht erwünscht“ sei. Er hatte die Sätze einem Kollegen geschickt, der Auszüge über einen Newsletter verteilte, womit sie in die Hände des Arztes und Dopingkritikers Werner Franke gelangten. Dieser wiederum musste sich gerade vor Gericht verteidigen, weil er der ARD vorgeworfen hatte, Doping zu verharmlosen. Seppelts E-Mail legte er als Beweis für seine These vor.</p>
<p>Der Prozess endete mit einem Vergleich, was Seppelt nicht half. In der Presse war damals zu lesen, die Sportverantwortlichen hätten sich geärgert, dass ausgerechnet einer aus dem eigenen Haus dem Angeklagten als Kronzeuge diente. Seppelt verlor seinen Job – angeblich auf Drängen des damaligen Sportkoordinators Hagen Boßdorf. Offiziell hieß es, er solle sich nur noch auf Dopingrecherchen konzentrieren. Doch niemand der Verantwortlichen, sagt Seppelt, habe mit ihm vorher darüber auch nur ein Wort gesprochen.</p>
<p>Boßdorf will sich heute nicht mehr dazu äußern. Auch andere Beteiligte schweigen. Und Seppelt will verheilte Wunden nicht aufreißen. „Die Zeiten haben sich geändert“, sagt er. „Heute gibt es in der ARD ein größeres Interesse an kritischer Sportberichterstattung.“ Er lobt die Gründung der Dopingredaktion, die beim WDR angesiedelt ist, und der er seit 2007 selbst als festfreier Mitarbeiter angehört.</p>
<p>Trotzdem ist das Verhältnis zwischen Rechercheuren und Sportkommentatoren kompliziert. Wenn Seppelt als Dopingexperte zu den Olympischen Spielen fährt, dürften die meisten da rauf hoffen, dass er nichts herausfindet. Denn sobald es einen Dopingverdacht gibt, sagen Sponsoren ab, sinken die Einschaltquoten und der Sender muss sich fragen lassen, warum er so viel Geld für die Übertragungsrechteausgibt. Seppelt ist ein Spielverderber – weil er auf die Regeln pocht.</p>
<p>Selbst unter kritischen Sportjournalisten gilt er als Einzelkämpfer. Von sechs angefragten Fernsehkollegen war kein einziger bereit, öffentlich über Seppelt zu sprechen.</p>
<p>Es ist früher Nachmittag, als in Köln Seppelts Podiumsdiskussion beginnt. Der Raum ist voll, einige Zuschauerlümmeln auf dem Fußboden. Zunächst läuft ein Film, in dem es um seine Recherchen zu Alberto Contador geht. Seppelt war sich im Herbst 2010 nahezu sicher, dass der Tour-de-France-Sieger gedopt war, denn er hatte konkrete Hinweise auf positive Tests erhalten. Seppelt flog in die Schweiz zum internationalen Radsportverband UCI, um eine Bestätigung zu erbitten. Er wurde abgewiesen.„Ein Sprecher hat uns angeschrien: Warum macht ihr unseren Sport kaputt?“, erzählt Seppelt.</p>
<p>Mangels Bestätigung entschied die Redaktion, die Story nicht zu bringen, und Seppelt fuhr am Abend nach Berlin zurück. In der Nacht räumte die UCI dann doch per Pressemitteilung ein, dass Alberto Contador positiv auf Clenbuterol getestet worden sei. „Es war die Flucht nach vorn“, sagt Seppelt. „Die Funktionäre hatten nach unserem Besuch Angst, dass die ARD jeden Moment über den Fall berichten könne.“ Es war eine gescheiterte Recherche– und doch eine geglückte. Denn die Nachricht war raus. Contador wurde vorläufig gesperrt.</p>
<p>Seit Seppelt keine Schwimmwettkämpfe mehr kommentiert, beschäftigt er sich fast nur noch mit Doping. Der Tagesspiegel schrieb, Seppelt erinnere dabei an den starken Raucher, der zum militanten Nichtraucher geworden sei, benehme sich wie eine Mischung „aus Messias und Scharfrichter“.</p>
<p>Einmal richtete er wohl etwas früh. Im Januar 2008hatte Seppelt per Pressemitteilung verkündet, dass 20deutsche Wintersportler Kunden in einem Wiener Labor für Blutdoping gewesen sein könnten. Eine Nachrichtenagenturmachte aus dem Verdacht eine Tatsache, und ein Sturm brach los. Alle wollten von Seppelt die Namen hören. Doch er konnte nicht liefern.„Die Spur war richtig“, sagt Thomas Kistner, Sportjournalist bei der Süddeutschen Zeitung. „Dass es in Wien eine international vernetzte Doping-Tankstelle gab, steht fest.“ Und natürlich könne man fragen, warum die deutschen Wintersportler davon nichts gewusst haben wollen. Kistner verteidigt Seppelt. Andere fragen, ob die E-Mail vor Abschluss der Recherchen klug war. „Durch das Herausposaunen wurden womöglich Informanten verschreckt und das Tor zur Wahrheit vielleicht wieder geschlossen“, sagt einer, der nicht genannt werden will.</p>
<p>Seppelts neuester Dokumentarfilm sollte ursprünglich kein Dopingfilm werden. Er wollte den Sport in Nordkoreazeigen. Gemeinsam mit seinem Kollegen Robert Kempe buhlte er zwei Jahre lang beim Kulturattaché in Berlin um ein Visum. Im Frühjahr kam die Genehmigung.„Die sechstägige Reise war für mich das intensivste Erlebnis in 26 Jahren Journalismus“, sagt Seppelt. Die Autorenhaben eine verstörende Dokumentation gemacht über ein graues Land mit leeren Ausfallstraßen und gehorsamen Menschen – und am Ende ist es wieder ein Dopingfilm geworden.</p>
<p>Seppelt und Kempe waren schon zurück in Deutschland, als das nordkoreanische Frauenfußballteam während der Weltmeisterschaft im Juli positiv auf verschiedene verbotene Substanzen getestet wurde. Das Themaholt Seppelt immer wieder ein. „Sport ohne Doping ist so realistisch wie Wirtschaft ohne Korruption oder wie Straßen verkehr ohne Unfälle“, sagt er. Nur dass über Doping in Sportlerkreisen ungern gesprochen werde. Die Funktionäre steckten in einem Dilemma. „Ein Verband, der mit strengen Kontrollen reihenweise Doper auffliegen lässt, steht in der Öffentlichkeit nicht in erster Linie als konsequenter Bekämpfer der Manipulation da, sondern vor allem als Sportorganisation, die ein Dopingproblem hat.“</p>
<p>Noch nie ist es einem Journalisten gelungen, einen Sportler des Dopings zu überführen. Auch Seppelt nicht. Die entscheidenden Beweise lieferten immer die Analytikerin den Laboren. Trotzdem wird Seppelt weiter recherchieren. Mit versteckter Kamera und einem Netz aus Informanten. Er kann gar nicht anders. „Wissen Sie, welches die einzige Sportart ist, in der ich noch nie von einem Dopingverdacht gehört habe“, fragt er und macht eine Pause.„Trampolinspringen.“</p>
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		<title>Bunt fürs Leben</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Dec 2011 12:43:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ralfgeissler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Kaum ein Künstler weltweit hat so viel Fläche bemalt wie der Leipziger Michael Fischer-Art. Und er kann nicht aufhören. DIE ZEIT, 05.12.2011 Michael Fischer-Art will überall sein. In seinem Atelier, unweit des Leipziger Hauptbahnhofs, hängt zwischen Gemälden und Skizzen eine &#8230; <a href="http://www.ralf-geissler.de/2011/12/bunt-furs-leben/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Kaum ein Künstler weltweit hat so viel Fläche bemalt wie der Leipziger Michael Fischer-Art. Und er kann nicht aufhören.</strong></p>
<h5><strong>DIE ZEIT</strong>, 05.12.2011</h5>
<p>Michael Fischer-Art will überall sein. In seinem Atelier, unweit des Leipziger Hauptbahnhofs, hängt zwischen Gemälden und Skizzen eine Weltkarte. Der Künstler hat mit 112 Nadeln alle Orte markiert, an denen Werke von ihm zu sehen sind. Die Nadeln stecken in Europa, Amerika, Asien und Afrika. Fischer-Art ist weltweit erfolgreich, soll das wohl heißen. Da kann die Kulturelite seiner Stadt noch so viel spotten. An ihm kommt keiner vorbei – weil man ständig an ihm vorbeikommt.</p>
<p>Wohl kein zweiter Künstler der Gegenwart hat so viel Fläche bemalt wie <a href="http://www.fischer-art.de/" target="_blank">Michael Fischer-Art</a>. In Berlin, Leipzig, Stuttgart, Chemnitz und Sebnitz machte er ganze Häuser bunt. Comicartige Figuren bevölkern seine Fassaden. Sie haben große Augen, wulstige Lippen und erinnern an Kinderbilder. Zuletzt machte Fischer-Art Schlagzeilen, weil der Denkmalschutz ihm verbieten wollte, ein Reihenhaus im Süden Leipzigs zu bemalen. Dabei hatten ihn die Besitzer darum gebeten, weil ihre Fassade immer wieder mit Graffiti beschmiert worden war. Man könnte sagen: Fischer-Art ist ein Künstler, den Leute bestellen, um Schlimmeres zu verhindern. Kritiker spotten, er könne nur Buntes und Belangloses, seine Kunst sei inflationär verbreitet.</p>
<p>Das will er nicht auf sich sitzen lassen. »Ich habe da mal was zusammengestellt«, sagt Fischer-Art und beugt sich über Papierberge auf dem Tisch. Trotz seiner 42 Jahre hat er etwas Jungenhaftes. Er trägt kurze rotblonde Haare. Ein dicker Schal umschlingt seinen Hals. »Das hier will ich auf einen Hügel am Stadtrand stellen«, sagt Fischer-Art und zieht die Skizze einer Skulptur von Johann Sebastian Bach aus dem Stapel. »Und das hier ist mein Vorschlag für Hotels am Cospudener See.« Er zeigt Entwürfe für eine Kirche, für bemalte Windräder und ein Einkaufszentrum. Seine Pläne rauschen im Stakkato vorbei, und man fragt sich, ob er die Energydrinks neben seinem Schreibtisch alle auf einmal geleert hat.  Weiterlesen auf <a href="http://www.zeit.de/2011/49/S-Fischer-Art/komplettansicht" target="_blank">ZEIT Online</a></p>
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		<title>Käpt&#8217;n Fabio</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Nov 2011 14:11:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ralfgeissler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Fabio Reinhardt wollte Journalist werden. Jetzt sitzt er als Pirat im Berliner Abgeordnetenhaus. Die Geschichte einer überraschenden Karriere. journalist, 11/2011 Die Revolution riecht nach abgestandener Luft und schmeckt nach Club Mate. Sieben Piraten beugen sich im Berliner Abgeordnetenhaus über ihre &#8230; <a href="http://www.ralf-geissler.de/2011/11/kaptn-fabio/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Fabio Reinhardt wollte Journalist werden. Jetzt sitzt er als Pirat im Berliner Abgeordnetenhaus. Die Geschichte einer überraschenden Karriere.</strong></p>
<h5><em><strong>journalist</strong></em>, 11/2011</h5>
<p><a href="http://www.ralf-geissler.de/2011/11/kaptn-fabio/fabio_reinhardt_by_jan_zappner-2/" rel="attachment wp-att-522"><img class="alignleft size-full wp-image-522" title="fabio_reinhardt_by_jan_zappner" src="http://www.ralf-geissler.de/wp-content/uploads/2011/11/fabio_reinhardt_by_jan_zappner1.jpg" alt="" width="214" height="320" /></a>Die Revolution riecht nach abgestandener Luft und schmeckt nach Club Mate. Sieben Piraten beugen sich im Berliner Abgeordnetenhaus über ihre Laptops. Es ist Montagabend. Offene Vorstandsversammlung der Fraktion. Einer nippt an seiner Flasche, ein anderer nuschelt die Tagesordnung in den Raum. Jedes Wort und jedes Husten wird live ins Internet übertragen. &#8220;Wir wollen unsere Arbeit so transparent wie möglich machen&#8221;, sagt <a href="http://pirat.fabioreinhardt.de/" target="_blank">Fabio Reinhardt</a>, 30 Jahre alt und stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Transparenz sei das Wichtigste in einer Demokratie.</p>
<p>Unter den Berliner Piraten wirkt Reinhardt am ehesten wie ein Politiker. Weiche Gesichtszüge, lila Hemd, dunkles Sakko. Er hat sich gründlich rasiert und formuliert Sätze wie: &#8220;Die Kombination aus jungen, motivierten Menschen, flachen Hierarchien und schneller, digitaler Kommunikation birgt ein enormes Potenzial, um Politik zu gestalten und miteinander gesellschaftliche Lösungen zu finden.&#8221; Ein Satz für alle. Man kann ihm schwer widersprechen.</p>
<p>Wer Reinhardt in der Sitzung besucht, lernt, dass Politik auch unter Piratenflagge ermüdend sein kann. Der Fraktionsvorstand diskutiert über Arbeitsgruppen, verlost die Sitzverteilung der Abgeordneten im Plenum und entscheidet, ob bei der konstituierenden Sitzung des Parlaments alle das gleiche T-Shirt tragen sollen. Reinhardt stimmt dagegen. &#8220;Ein Lehrerseminar aus Rheinland-Pfalz möchte sich mit uns treffen&#8221;, sagt er zu Tagesordnungspunkt 4: Berichte. Er erzählt im Vorstand von zwei Artikeln, die er geschrieben hat, und dass er am Wochenende nach Wien fliegt – zu den Österreicher Piraten.</p>
<p>Reinhardt hat schon den halben Tag in diesem Raum verbracht. Es gibt für die Fraktion noch keine Arbeitszimmer im Berliner Abgeordnetenhaus, weil die FDP, die bei der Wahl gnadenlos unterging, für ihren Auszug seltsam viel Zeit benötigt. Raum 109 ist für die Piraten derzeit Büro, Sitzungssaal, Sekretariat und Pausenzimmer in einem. Ein ständiges Kommen und Gehen. &#8220;Es fühlt sich an wie in einer WG&#8221;, sagt Reinhardt. Schwer zu sagen, ob er das gut oder schlecht findet.  <a title="Fabio Reinhardt" href="http://www.journalist.de/ratgeber/handwerk-beruf/menschen-und-meinungen/fabio-reinhardt-kaeptn-fabio.html" target="_blank">Weiterlesen</a></p>
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		<title>Der König aus dem Erzgebirge</title>
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		<pubDate>Thu, 27 Oct 2011 08:52:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ralfgeissler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt nur einen Mann, der die FDP noch retten kann: Heinz-Peter Haustein ist der letzte Liberale, der vom Volk wirklich geliebt wird. DIE ZEIT, 27.10.2011 Der Mann, der die FDP wieder nach oben bringen könnte, besitzt passenderweise eine Aufzugfirma &#8230; <a href="http://www.ralf-geissler.de/2011/10/der-konig-aus-dem-erzgebirge/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Es gibt nur einen Mann, der die FDP noch retten kann: Heinz-Peter Haustein ist der letzte Liberale, der vom Volk wirklich geliebt wird.</strong></p>
<h5><strong>DIE ZEIT</strong>, 27.10.2011</h5>
<p>Der Mann, der die FDP wieder nach oben bringen könnte, besitzt passenderweise eine Aufzugfirma und dient als Hauptlöschmeister in der freiwilligen Feuerwehr. Leider lebt er in der sächsischen Provinz.</p>
<p>Heinz-Peter Haustein, 57 Jahre alt, ein Hüne mit dem Händedruck eines Bergmanns, blickt aus dem Fenster seiner Firmenzentrale in Deutschneudorf. Die nächste Autobahn ist eine Stunde entfernt. Haustein sieht die Hänge des Erzgebirges und die tschechische Grenze, doch er denkt an Berlin und den Bundesaußenminister. »In der Politik ist es wie beim Fußball«, sagt er. »Die Erfolge von gestern interessieren heute keinen mehr. Das habe ich dem Guido schon vor einem Jahr gesagt.«</p>
<p>Haustein weiß, wie man konstant Erfolg hat. Bei der Bürgermeisterwahl 2006 in Deutschneudorf holte der FDP-Mann 99,2 Prozent. Und weil sie im 1.100-Einwohner-Ort fanden, dass er einen guten Job macht, stimmten bei der Gemeinderatswahl drei Jahre später gleich alle für die Liberalen: 100 Prozent. Andere Parteien traten gar nicht an. Alle zwölf Gemeinderäte werden von der FDP gestellt.</p>
<p>Und heute? »Die FDP steht bundesweit am Abgrund«, sagt Haustein und kommt auf seinen Parteivorsitzenden zu sprechen. »Der Philipp ist ein intelligenter Mann. Aber ich glaube nicht, dass wir das in der jetzigen Aufstellung packen werden.«</p>
<p>Wer wissen will, wie es die FDP packen kann, muss Haustein begleiten, den sächselnden Haudegen aus dem Erzgebirge.    Weiterlesen auf <a title="Der König aus dem Erzgebirge" href="http://www.zeit.de/2011/44/S-FDP/komplettansicht" target="_blank">ZEIT Online</a></p>
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		<title>Wob, der Baumeister</title>
		<link>http://www.ralf-geissler.de/2011/10/wob-der-baumeister/</link>
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		<pubDate>Sat, 01 Oct 2011 16:12:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ralfgeissler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Wolfgang Büchner hat die dpa umgekrempelt. Die einst verstaubte Nachrichtenagentur wurde unter seiner Leitung moderner und lernfähiger. Der Umbau geht weiter: Jetzt will Büchner die fremdsprachigen Dienste enger vernetzen. journalist, 10/2011 Manchmal läuft Wolfgang Büchner durch sein Großraumbüro und weiß &#8230; <a href="http://www.ralf-geissler.de/2011/10/wob-der-baumeister/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wolfgang Büchner hat die dpa umgekrempelt. Die einst verstaubte Nachrichtenagentur wurde unter seiner Leitung moderner und lernfähiger. Der Umbau geht weiter: Jetzt will Büchner die fremdsprachigen Dienste enger vernetzen.</strong></p>
<h5><em><strong>journalist</strong></em>, 10/2011</h5>
<p><a href="http://www.ralf-geissler.de/2011/10/wob-der-baumeister/wolfgang_buechner_by_zappner/" rel="attachment wp-att-528"><img class="alignright size-full wp-image-528" title="wolfgang_buechner_by_zappner" src="http://www.ralf-geissler.de/wp-content/uploads/2011/10/wolfgang_buechner_by_zappner.jpg" alt="" width="214" height="327" /></a>Manchmal läuft Wolfgang Büchner durch sein Großraumbüro und weiß nicht, wen er siezen muss. Als er vor knapp zwei Jahren Chefredakteur der Deutschen Presseagentur (dpa) wurde, hat er allen Kollegen das Du angeboten. Nicht jeder nahm an. „Und bei über 460 Redakteuren habe ich etwas den Überblick verloren“, sagt Büchner. Doch am Ende zählt das Signal: Der Chef setzt auf eine Du-Kultur. Staatstragend war die dpa gestern.</p>
<p>Es ist ziemlich genau ein Jahr her, dass Büchner mit seinen Kollegen in die Hauptstadt gezogen ist und die dpa-Redaktionen aus Hamburg, Frankfurt am Main und Berlin in einem Gebäude auf dem ehemaligen Berliner Mauerstreifen vereint hat. Das neue Großraumbüro misst stattliche 3.000 Quadratmeter, ein dicker Teppichbelag dämpft den Schall, durch die Fenster am fernen Ende des Raums schimmert das Fassadengelb des Axel-Springer-Hochhauses. „Wir sind Mieter bei Axel Springer, sitzen aber nicht im Springer-Gebäude“, sagt Büchner. Der Unterschied ist ihm wichtig. Der Tagesspiegel hat die Unabhängigkeit der dpa schon mal infrage gestellt.</p>
<p>Büchner hat die Agentur reformiert. Er baute sieben regionale Newsdesks auf, die nun die Landesbüros koordinieren. Er predigte seinen Mitarbeitern „richtig geht vor schnell“ und forderte eine neue Lust am Recherchieren und Erzählen. Statt jedes Thema abzudecken, verlangte er mehr Schwerpunkte. Und er führte eine neue Kultur des Umgangs mit Fehlern ein: Zugeben statt Vertuschen. Kurzum: Büchner hat aus der behäbigen Tante dpa eine flotte Schwiegermutter gemacht. Bis sie eine sexy Begleiterin im Journalistenalltag ist, muss er allerdings noch etwas arbeiten.</p>
<p><span id="more-508"></span> Der 45-Jährige steht im dunklen Anzug am sogenannten Cockpit – einem Tisch-Kreis im Zentrum seiner Redaktion. Von hier aus wird gesteuert, was Deutschlands größte Nachrichtenagentur veröffentlicht. Ein Bildschirm zeigt dpa-news.de – das Internetportal, auf dem die Agentur ihre Texte und Bilder veröffentlicht. „Unsere Kunden können auf der Seite kommentieren, Fragen stellen, Themen vorschlagen“, sagt Büchner. Und das Portal hilft seinen Mitarbeitern, sich in die Lage der Kunden zu versetzen. „Wenn wir aus unserem Material keine gute Internetseite bauen können“, sagt Büchner, „dann können es andere Redaktionen auch nicht.“</p>
<p>Etwa zwei Mal im Monat sitzt Büchner selbst am Cockpit, mitten im Grundrauschen des Großraumbüros und betreut die Seiten. Das kommt gut an. Fragt man seine Mitarbeiter, hört man viel Positives über ihn: Büchner begegne einem auf Augenhöhe, vermittle Aufbruch, könne mitreißen. Er pflegt eine amerikanische Motivationskultur, sieht zuerst die Chancen. Seine E-Mails unterschreibt der Mann, der die dpa umbaut, manchmal mit Wob. Kling wie: Wob, der Baumeister.</p>
<p>Hauptsorge des Chefredakteurs sind nicht seine Kollegen sondern seine Konkurrenten – allen voran die dapd. Vor anderthalb Jahren begannen die dapd-Eigentümer damit, eine Vollagentur aufzubauen und tönten in der Süddeutschen Zeitung, man wolle die dpa „verzichtbar“ machen. Inzwischen ist die Zahl der dapd-Redakteure auf 300 gewachsen. Die Agentur ist an 32 Standorten vertreten und hat seit dem Sommer ein vollwertiges Sportressort.</p>
<p>Besonders stolz ist man auf die Möglichkeiten der Auslandsberichterstattung. „Wir können per Vertrag auf das gesamte internationale Angebot von AP zurückgreifen“, sagt dapd-Sprecher Wolfgang Zehrt. Man müsse die Texte der weltweit 3.000 Korrespondenten nur noch übersetzen. „Ein besseres internationales Nachrichtennetzwerk kann man gar nicht haben.“</p>
<p>Wolfgang Büchner sieht das anders. „Unsere Auslandsreporter berichten direkt aus der deutschen Perspektive“, sagt er. „Damit entsprechen wir den Bedürfnissen der deutschen Medien.“ Kürzlich konnte eine dpa-Korrespondentin an einem Gruppeninterview für lateinamerikanische Reporter mit US-Präsident Obama teilnehmen. „Sie hat als einzige Obamas Haltung zur Euro-Krise aufgeschrieben“, sagt Büchner. Wenn Deutsche im Ausland entführt würden, berichte stets die dpa am ausführlichsten.</p>
<p>Obwohl Büchner sich im Vorteil sieht, will er seine Auslandsabteilungen umbauen. Neben dem deutschsprachigen Dienst gibt die dpa auch Meldungen auf Englisch, Spanisch und Arabisch heraus. Die Mitarbeiter dieser Auslandsdienste sollen nun zu regionalen Netzen zusammengefasst werden. „Am Ende wird das Personal und Geld sparen“, sagt Büchner, der zugleich betont, die Zahl der Reporter bleibe gleich. „Wir wollen im englischen und spanischen Dienst vor allem die Abteilungen straffen, die Texte redigieren und senden.“</p>
<p>Im vergangenen Jahr hat die dpa 5,2 Millionen Euro Verlust gemacht. In diesem Jahr könnte es wieder ein Plus werden, doch die Zeitungsverlage drängen angesichts sinkender Auflagen auf niedrigere Abonnementpreise. Dabei verweisen sie gern auf die dapd, die von sich behauptet, mit ihrem Basisdienst 30 Prozent günstiger zu sein als die dpa. „Den Preiswettbewerb wollen wir gar nicht gewinnen“, entgegnet Büchner. Für ihn sei der Schlüssel zum Erfolg die Qualität. Der Journalismus habe zwei Alternativen: „Er wird besser oder überflüssig.“</p>
<p>Geboren wurde Wolfgang Büchner 1966 in Speyer als Sohn eines Konditormeisters und einer Verwaltungsangestellten. Seinen ersten Artikel schrieb er mit 16 für die Speyerer Tagespost über das „Sommernachtsfest der Vogelschutzfreunde in Hanhofen“. Nach dem Abitur bildete ihn das Institut zur Förderung des publizistischen Nachwuchses in München zum Redakteur aus. 1990 baute Büchner in Halle (Saale) und Magdeburg die Boulevardzeitung Express mit auf, gab ein kurzes Intermezzo bei Bild und wurde 1991 Agenturjournalist bei AP und später bei Reuters.</p>
<p>Damals entschied sich Büchner, sein Studium der Politikwissenschaften abzubrechen. Er ging mit schlechtem Gewissen zu seinem Professor, der ihm die Hand auf die Schulter legte und sagte: „Lieber Freund, für manche ist die Straße die beste Universität.“ Büchner lacht, wenn er heute die Geschichte erzählt. Er sitzt in seinem Büro, das ein wenig an ein Aquarium erinnert. Fast alle Wände sind aus Glas. Seine Mitarbeiter können von Außen sehen, wie er die Höhe seines Schreibtischs verstellt.</p>
<p>Büchner hat wenig Zeit, aber redet gern. Man muss ihm nur einige Stichworte geben, und er hält kleine Vorträge über die Rolle von Journalisten, die mehr einordnen und erklären müssten. Ehemalige Kollegen sagen, er habe sich verändert. Vor zehn Jahren soll Büchner hin und wieder Wutanfälle bekommen haben, wenn etwas nicht so lief, wie er dachte. Heute ruht er geradezu in sich selbst – und wirkt trotzdem sehr wach.</p>
<p>1999 gehörte Büchner zum Gründungsteam der Financial Times Deutschland. Zwei Jahre später stellte ihn Spiegel Online als geschäftsführenden Redakteur ein. Wer dort im Archiv stöbert, hat den Eindruck: Eine Edelfeder ist Büchner eher nicht. Er hat zwar nicht viele Texte für Spiegel Online geschrieben, aber die wenigen sind recht speziell.</p>
<p>So berichtete Büchner unter der Überschrift „Einwobbeln, losbrummen, abrauchen“ im Juli 2001 über ein Treffen von Auto-Freaks, die ihre Musikanlagen aufmotzen. Vor lauter db-Drag-Teams, Dezibel-Boliden und Woofern versteht der Laie beim Lesen allerdings kaum, worum es geht. Im gleichen Jahr beschwerte sich Büchner in einem Artikel darüber, dass er in einem Hamburger Kino zur „Harry Potter“-Vorstellung keinen Logensitz bekam, obwohl er dafür bezahlt hatte. Der Text „Eiskalt abgepottert“ wurde mittlerweile aus dem öffentlichen Archiv entfernt.</p>
<p>Wenn man Büchner darauf anspricht, zuckt er mit den Schultern und kann sich nicht erinnern. Stattdessen öffnet er auf seinem Computer eine acht Jahre alte Textserie. Unter der Überschrift „Agenda 2003 – Was jetzt geschehen muss“ forderte Büchner die Spiegel-Online-Leser damals auf, Reformvorschläge zu schicken: Wie kommt die deutsche Wirtschaft wieder auf Touren? Wie können die öffentlichen Haushalte saniert werden? Wie müssen die deutschen Sozialsysteme reformiert werden? „Wir haben mehr als 1.000 Vorschläge bekommen“, sagt Büchner. „Und wir haben uns sehr gefreut, als die Regierung Schröder kurze Zeit später ihrem Reformprogramm den Titel ,Agenda 2010&#8242; gegeben hat.“</p>
<p>Die Serie illustriert gut, was er am Besten kann: Ideen sammeln, Projekte organisieren, andere begeistern. Er ist eher Manager als Journalist. Bei Spiegel Online baute er die Geschichtsseiten Einestages auf, stieß die Zwiebelfisch-Kolumne mit an und warb Ex-Titanic-Chefredakteur Martin Sonneborn für ein Satire-Ressort.</p>
<p>Eines Abends saßen Sonneborn, Büchner und der damalige Spiegel-Online-Chefredakteur Matthias Müller von Blumencron im Hamburger Gasthaus Glasperle zusammen und suchten nach einem Namen für das Ressort. Schließlich fragte Sonneborn: „Was hassen die Menschen am Internet am meisten?“ Die Redakteure antworteten zugleich: „Spam!“ Damit war die Namensfrage entschieden.</p>
<p>Als Blumencron zum gedruckten Spiegel wechselte, übernahm Büchner mit Rüdiger Ditz 2008 die Online-Chefredaktion. Beiden gelang, was männlichen Doppelspitzen selten gelingt: „Sie haben als Tandem gut harmoniert“, sagt Jochen Leffers, Ressortleiter beim Unispiegel. „Ditz hat ein famoses Gedächtnis für Texte und Themen, ist detailsicher und ausgesprochen loyal zu seinen Leuten. Büchner ist spontan und schlagfertig, sehr kreativ, trifft auch unangenehme Entscheidungen flott. Humor haben beide.“ Sie ergänzten sich.</p>
<p>Vor seinem Wechsel zur dpa Ende 2009 lud Büchner die Mitarbeiter noch einmal zur Party ein. Fast alle erschienen mit einer Maske: Büchner-Gesicht unter Irokesen-Frisur im Sascha-Lobo-Stil. Das spielte auf Büchners Faible für Online-Gimmicks und technische Spielereien an. Seine Sekretärin, die den Party-Gag vorbereitet hatte, verabschiedete ihn mit den Worten: „Ich hab&#8217; Dir heute 150 Mal die Augen ausgeschnitten.“ Sie tat es aus Zuneigung.</p>
<p>Verschnupft über Büchners Weggang soll Spiegel-Chefredakteur Blumencron gewesen sein. Angeblich konnte er nur schwer verdauen, dass sein Ziehsohn nach nur einem reichlichen Jahr als Online-Chef das Team verlässt.</p>
<p>Nun hat Büchner in kurzer Zeit die dpa verändert. Doch Agenturen sind wie Tanker: Niemand wendet sie auf Anhieb. Die hölzerne Sprache ist noch nicht aus jedem Text verschwunden. Und die WAZ-Gruppe kommt nach wie vor ohne dpa aus. „Entscheidend sind für uns die Leser“, sagt dazu WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz. „In den ganzen Jahren ohne dpa hat niemand angerufen und gefordert: Nehmt wieder diese Agentur.“</p>
<p>Das klingt abweisender als es vielleicht gemeint ist. Reitz sagt auch, dass sich die dpa zum Positiven verändert habe. „Sie arbeitet kundenorientierter. Wir beobachten das sehr genau. Ich finde, dass Wolfgang Büchner einen guten Job macht.“</p>
<p>Das sehen viele in der Branche so. „Man merkt deutlich, dass bei der dpa frischer Wind eingezogen ist“, sagt Joachim Widmann, Chefredakteur beim Fränkischen Tag. Allerdings hält er das Kernproblem für ungelöst. „Alle Agenturen liefern das gleiche Material an alle Medien“, sagt er. „Das benachteiligt Regionalzeitungen, weil die schönen Geschichten schon am Vortag im Internet stehen.“ Die Zeitungen brauchen eigene Inhalte, daher sei es nicht verwunderlich, wenn Zeitungsredakteure Nachrichtenagenturen nicht mehr so wichtig fänden.</p>
<p>Widmann war fünf Jahre lang selbst Agenturchef beim Konkurrenten ddp. Zur Lösung des Dilemmas hat er damals erwogen, einen Feature-Dienst mit schönen Texten einzurichten – exklusiv oder mit zeitlichem Vorrang für die gedruckten Medien. Bevor er die Idee ausprobieren konnte, wechselte er allerdings zur Regionalzeitung nach Bamberg.</p>
<p>Wolfgang Büchner kennt das Problem, will es aber anders lösen. Er setzt auf das Prinzip Veredelung. „Wenn eine Redaktion qualitativ hochwertig sein will, dann wird sie unsere Texte nicht nur kopieren sondern weiterverarbeiten“, sagt Büchner. „Als Agentur liefern wir Bausteine, Referenzmaterial, aus dem die Redaktionen etwas Einzigartiges machen können.“ Unter anderem deshalb hat er den dpa-Notizblock eingeführt, eine Art Infokasten unter jeder Meldung, in dem Expertennamen, Telefonnummern und Internetadressen für weitere Recherchen stehen.</p>
<p>Morgens 9 Uhr: Die dpa-Mitarbeiter strömen zur einzigen Sitzkonferenz des Tages. Wer Effizienz erleben will, sollte hier vorbeischauen. Innerhalb einer Viertelstunde besprechen die Teilnehmer die Themen des Tages. Über Videoleitungen nehmen die regionalen Desks teil. An der Wand ist dpa-news.de zu sehen. Die Schlagzeile „FDP hält an möglicher Griechenland-Insolvenz fest“ findet Büchner unpräzise. Er schlägt vor: „FDP ignoriert Merkels Machtwort“. Keine zehn Minuten später ist der Text geändert.</p>
<p>Seit er hier Chefredakteur ist, schickt Büchner regelmäßig Rundmails an seine Mitarbeiter. Sie lesen sich stellenweise wie Erweckungsschreiben. Von Überzeugungen ist dort die Rede, von Qualität, Engagement und Leidenschaft – und auch von Vorbildern wie Rudolf Augstein. So schrieb er dem Team: „Ich möchte, dass unsere Kunden sagen: ,Ja, wir könnten vielleicht auf dpa verzichten, aber wir wollen das auf gar keinen Fall. Wir wollen daran teilhaben, was die dpa entwickelt. Wir wollen von der neuen dpa profitieren.&#8217;“</p>
<p>Büchner sagt, er möchte zeigen, dass professioneller Journalismus eine Chance habe. Dass Qualität sich durchsetze, auch wenn sie Geld koste. Er klingt ziemlich selbstbewusst zum Schluss, als wolle er sagen: Sollte ich scheitern, dann scheitern andere mit diesem Anspruch auch.</p>
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		<title>Im Schatten</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Sep 2011 08:18:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ralfgeissler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Victor Klemperers Tagebücher sind weltberühmt. Doch keiner kennt den Mann, der sie einst dem Vergessen entriss. DIE ZEIT, 22.09.2011 Uwe Nösner wirkt wie aus der Zeit gefallen. Der Mann, der in den Tagebüchern von Victor Klemperer schon 1987 Literatur erkannte, &#8230; <a href="http://www.ralf-geissler.de/2011/09/im-schatten/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Victor Klemperers Tagebücher sind weltberühmt. Doch keiner kennt den Mann, der sie einst dem Vergessen entriss.</strong></p>
<h5><strong>DIE ZEIT</strong>, 22.09.2011</h5>
<p>Uwe Nösner wirkt wie aus der Zeit gefallen. Der Mann, der in den Tagebüchern von Victor Klemperer schon 1987 Literatur erkannte, schlurft im abgetragenen Jeansanzug durch den Sächsischen Landtag. Die Schultern des 51-Jährigen hängen tief. Sein Büro im zweiten Stock ist grau und eng. »Den Kaffee muss ich selber kochen«, nuschelt Nösner. Er bekommt selten Besuch hier, und noch seltener fragt ihn jemand nach Klemperer.</p>
<p>Dabei war Nösner der Erste, der weite Passagen der heute weltberühmten Tagebücher des Dresdner Romanistikprofessors mühsam entzifferte – was ihm allerdings weder Ruhm noch Geld einbrachte. Bekannt sind inzwischen die Bände aus dem Aufbau-Verlag: Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten verkaufte sich 350.000 Mal und steht in fast jeder Schulbibliothek. Millionen Menschen sahen in der ARD Klemperer – Ein Leben in Deutschland . Aber nur wenige verbinden mit den Tagebüchern den breit sächselnden, etwas vergeistigt wirkenden Landtagsmitarbeiter Nösner, der in seiner Freizeit dichtet und hauptberuflich Reden und Grußworte des Landtagspräsidenten schreibt.</p>
<p>Weiterlesen auf <a title="Im Schatten" href="http://www.zeit.de/2011/39/S-Noesner-Klemperer/komplettansicht" target="_blank">ZEIT Online</a></p>
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		<title>Politiker erlebt Pflegealltag</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Sep 2011 19:46:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ralfgeissler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Schwerstbehinderte betreuen statt Ausschussitzungen. Deutschlandradio Kultur, 05.09.2011 Von Politikern heißt es oft, ihnen fehle der Kontakt zur Basis. In Sachsen organisiert die Freie Wohlfahrtspflege seit drei Jahren den sogenannten Perspektivwechsel. Einen Tag lang arbeiten Abgeordnete in sozialen Einrichtungen. Der CDU-Landtagsabgeordnete Stephan &#8230; <a href="http://www.ralf-geissler.de/2011/09/politiker-als-krankenpfleger/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Schwerstbehinderte betreuen statt Ausschussitzungen.</strong></p>
<h5><strong>Deutschlandradio Kultur</strong>, 05.09.2011</h5>
<p>Von Politikern heißt es oft, ihnen fehle der Kontakt zur Basis. In Sachsen organisiert die Freie Wohlfahrtspflege seit drei Jahren den sogenannten Perspektivwechsel. Einen Tag lang arbeiten Abgeordnete in sozialen Einrichtungen. Der CDU-Landtagsabgeordnete Stephan Meyer hat sich den vielleicht härtesten Job ausgesucht. Er pflegte mehrfach Schwerstbehinderte. <a title="Politiker als Pfleger" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/09/05/drk_20110905_0820_9b550aeb.mp3" target="_blank">Hören</a></p>
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