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	<title>Ralf Geißler</title>
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	<description>freier Journalist</description>
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		<title>Ein Dorf macht Kohle</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Dec 2011 09:31:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ralfgeissler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>

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			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die sorbische Ortschaft Schleife soll einem Tagebau weichen – fast wirkt es so, als freue sie sich darauf. Geschichte einer Bescherung</strong></p>
<h5><strong>DIE ZEIT</strong>, 22.12.2011</h5>
<p>Man muss sich Schleife vorerst als einen friedlichen Ort vorstellen. Die Häuser sehen aus, als hätte der liebe Gott sie bei einem Spaziergang verstreut: So großzügig verteilen sie sich zwischen Feldern und Wäldern im flachen Lausitzer Land. Nur bei Südostwind kann man am Dorfrand die Bagger des fünf Kilometer entfernten Braunkohletagebaus Nochten hören. Jene Bagger, die in einigen Jahren wohl auch Teile von Schleife vernichten werden. Denn das Dorf der sorbischen Minderheit soll für den deutschen Energiehunger weichen – zumal in Zeiten des Atomausstiegs. Mehr als 1.500 Menschen müssten ihre Häuser räumen. Doch kaum jemand wehrt sich.</p>
<p>Wenn man die Menschen in Schleife fragt, was sie über den Tagebau denken, gehen die meisten schweigend weiter. Nirgendwo steht ein Schild: »Rettet unsere Heimat!« Der Bürgermeister sagt: »Proteste wie in Horno oder Heuersdorf werden Sie bei uns nicht erleben.« Vernehmbaren Widerstand leistet nur eine 73-jährige Rentnerin. Edith Penk lebt am Dorfrand in einem Einfamilienhaus, das ihre Eltern in den 1930er Jahren erbaut haben und das sie mit ihrem Mann später aufgestockt hat. »Jeder Ziegel ging mehrfach durch unsere Hände«, sagt sie. »Mich kriegt hier niemand weg.« Da müsse die Polizei sie schon wegtragen.</p>
<p>Penk liebt ihr Dorf und ärgert sich über seine Bewohner. Im Jahr 2009 gab es eine Umfrage. Die Schleifer sollten darüber Auskunft geben, ob sie schon jetzt die drohende Umsiedlung planen wollen oder lieber noch abwarten möchten – denn es besteht kein Grund zur Eile. Zwar will der Energiekonzern Vattenfall den Flöz unter Schleife mit rund 310 Millionen Tonnen Kohle ausbeuten, doch bis der Antrag die politischen Gremien durchlaufen hat, dauert es noch bis Ende 2012. Trotzdem sprachen sich reichlich 70 Prozent dafür aus, schon sogleich ein neues Dorf zu entwerfen.  Weiterlesen auf <a href="http://www.zeit.de/2011/52/S-Kohletagebau-Schleife/komplettansicht" target="_blank">ZEIT Online</a></p>
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		<title>Der Spielverderber</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Dec 2011 17:46:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ralfgeissler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>

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		<description><![CDATA[Früher war Hajo Seppelt Wettkampfschwimmer. Heute ist er einer der unbequemsten Sportjournalisten in Deutschland, der nicht nur in Funktionärskreisen, sondern[.....]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Früher war Hajo Seppelt Wettkampfschwimmer. Heute ist er einer der unbequemsten Sportjournalisten in Deutschland, der nicht nur in Funktionärskreisen, sondern zum Teil auch unter Journalistenkollegen umstritten ist. Seppelt ist Aufdecker und Eigenbrötler zugleich. Für die ARD wird er 2012 wieder als Dopingexperte von den Olympischen Spielen berichten.</strong></p>
<h5> <strong><em>journalist</em>,</strong> 12/2011</h5>
<p>Es gab Zeiten, da wirkte Hajo Seppelt selbst wie gedopt. Er arbeitete unermüdlich, denn er wollte der Beste sein, der erste Enthüller der ARD in Sachen schmutziger Sport. Seppelt suchte deutsche Verbindungen zum spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes, er recherchierte zur Wiener Blutbank, erklärte in Fernsehinterviews so seltsame Medikamente wie Hydrochlorothiazid und verriet, was Testosteron noch so bewirkt – außer, dass es einen Mann zum Mann macht. Nebenbei drehte er Dokumentarfilme wie Geheimsache Doping oder Mission: Sauberer Sport.</p>
<p>Man konnte den Eindruck gewinnen, Seppelt vertraue jedem Versicherungsvertreter mehr als den Sportfunktionären. Wenn mal wieder ein Tour-de-France-Fahrer mit ungewöhnlichen Blutwerten ertappt wurde, donnerte Seppelt ins Mikrofon: „Alle haben geschwiegen, das ist mal wieder typisch. Es ist ein Kartell der Vertuscher, der Verschweiger und leider auch der Lügner.“ Und man fragte sich, ob es wirklich Liebe zum Sport war, die Seppelt Sportjournalist werden ließ. Falls ja, dann steckte er jetzt in einer Beziehungskrise. Aber lag das an ihm?</p>
<p>„Ich weiß, dass mir manche Kollegen nachsagen, von missionarischem Eifer getrieben zu sein“, sagt Seppelt. „Aber ich bin in dieser Hinsicht gelassener geworden.“ Der 48-Jährige lehnt sich im Restaurant des ARD-Hauptstadtstudios auf seinem Stuhl zurück, doch er sieht nicht lässig aus. Seppelt trägt ein bis zum Kragen zugeknöpftes, kariertes Hemd und löffelt eine Kartoffelsuppe. Vor den Fenstern versinkt Berlin in einer kalten Nacht, ein paar Jogger laufen an der Spree entlang.</p>
<p><span id="more-549"></span></p>
<p>Die vergangenen Monate hat Seppelt wenig gearbeitet, doch er will bald wieder loslegen. Ende Juli beginnen die Olympischen Sommerspiele in London, und Seppelt soll als ARD-Dopingexperte dabei sein – das haben die Verantwortlichen im November entschieden. „Die Recherchen beginnen schon viel früher“, sagt er, „denn gedopt wird ja in den Monaten vor den Wettkämpfen.“ Womöglich wird er schon bald wieder mit versteckter Kamera bei windigen Ärzten, zwielichtigen Apothekern und kriminellen Trainern vor der Tür stehen.</p>
<p>Für seine Arbeit wird Seppelt geachtet und gehasst, denn er vertritt in Sachen Doping eine sehr grundsätzliche Haltung. „Ich finde es bedenklich, dass wir immer neue Weltrekorde sehen wollen“, sagt er. „Der menschliche Körper hat eine Leistungsgrenze. Und die ist in vielen Sportarten erreicht.“ Es könne kein ewiges Höher-Schneller-Weiter geben. Auch der achte Platz bei Olympia sei eine immense Leistung.</p>
<p>Seppelt hält nichts vom Begriff Dopingsünder, weil er von den Strukturen und Hintermännern ablenke. Und er bezweifelt, dass Sportkommentatoren immer die nötige Distanz zu ihrem Berichterstattungsgebiet haben. „Manche kommentieren so begeistert und voller Bewunderung für die Athleten, dass kritisches Hinterfragen der Leistungen und tiefgründigere Recherchen oft zu kurz kommen“, sagt er. Der distanzierte Blick auf die kommerziellen Auswüchse des Spitzensports fehle ebenso.</p>
<p>Als Seppelt anfing, sich mit Doping zu beschäftigen, recherchierte er auch zu Kristin Otto, der ZDF-Moderatorin und einst erfolgreichen Schwimmerin aus Leipzig. „In der DDR wurde in vielen Sportarten systematisch gedopt“, sagt Seppelt, „junge Schwimmerinnen etwa bekamen männliche Hormone verabreicht, häufig ohne ihr Wissen.“ Er fand Zeitzeugen und Dokumente, die diesen Verdacht auch bei Otto erhärteten. Doch die sechsfache Olympiasiegerin bestreitet bis heute, vom Doping gewusst zu haben. Beim ZDF waren manche Sportredakteure ziemlich sauer über die Recherchen des ARD-Kollegen.</p>
<p>Seppelt hat früher selbst Wettkämpfe geschwommen. Als junger Mann war er dreimal West-Berliner Jahrgangsmeister. „Mangels Konkurrenz“, wie er sagt. Denn zweimal trat außer ihm niemand in seiner Altersklasse an. Später trainierte er ein kleines Schwimmteam in Berlin-Lichterfelde. Doch eigentlich wollte er Lehrer werden – oder Journalist. Schon als Schüler hatte er mit Mikrofon und Kassettenrekorder eigene Radiosendungen gebastelt und beim damaligen RIAS über Jugendsport berichtet. Nach dem Abitur begann Seppelt, in Berlin Sport und Sozialkunde auf Lehramt zu studieren, und schrieb nebenbei für den Tagesspiegel und die dpa.</p>
<p>Nach einem Praktikum beim Sender Freies Berlin (SFB) wurde er dort Mitarbeiter der Sportredaktion, brach sein Studium ab und durfte 1992 nach Barcelona: Olympische Sommerspiele. Seppelt kommentierte für die ARD Schwimmwettkämpfe. Davon verstand er etwas. Er saß am Beckenrand und rechnete in Millisekunden Siege und Niederlagen vor. Er machte in etwa das, was er heute an vielen Kollegen kritisiert: Wettkampfberichterstattung in einem werberelevanten Umfeld. Er war Teil des Systems. Doch das System wurde ihm fremd.</p>
<p>1995 traf er auf eine weinende Franziska van Almsick. Die Schwimmerin hatte bei der Europameisterschaft das Finale über 200 Meter Freistil verpasst. „Sie hat zu mir gesagt: ‚Ick will keen Superstar mehr sein‘“, erinnert sich Seppelt. Das habe ihn tief bewegt. Seine Zweifel wuchsen. „Ich habe den immensen Druck gespürt, der auf den Sportlern lastet“, sagt er. „Ich fand es zunehmend fraglich, dass schon Kin der nach darwinistischem Prinzip ausgewählt wurden, um sie zu Höchstleistern zu züchten.“</p>
<p>Es ist ein sonniges Novemberwochenende, als Hajo Seppelt das WDR-Funkhaus am Kölner Wallrafplatz betritt. Hier tagt das Netzwerk Recherche. Thema: Tunnelblick – Woran Recherchen scheitern können. Seppelt soll über seine Erfahrungen mit dem Radsportverband berichten. Bis die Podiumsdiskussion beginnt, hat er noch Zeit. Er setzt sich in eine Veranstaltung über Recherchen in radikalen Milieus. Es geht um Neonazis und Islamisten, die Blindheit mancher Ermittler und die Zuverlässigkeit von Informanten. Ernste Themen, doch das Podium lockert die Stimmung mit Ironie auf.</p>
<p>Der Saal lacht oft. Nur Seppelt verzieht keine Miene. Er sitzt in seinem Strickpullover mit verschränkten Armen in der letzten Reihe. Plötzlich fällt einem als Reporter auf, dass Seppelt seit der ersten Begegnung noch kein einziges Mal gelacht hat. Er wirkt oft unnahbar, als hätten ihn seine Recherchen hart, verschlossen und penibel gemacht.</p>
<p>14 Jahre hat Seppelt Schwimmwettkämpfe für die ARD kommentiert. Doch dann beschlossen sieben von neun Sportchefs, ihm den Job wegzunehmen. Eine E-Mail soll der Auslöser gewesen sein. Eine E-Mail, in der Seppelt 2006 die Jubelreportagen im ARD-Sport anprangerte und klagte, dass investigative Dopingberichterstattung „nicht erwünscht“ sei. Er hatte die Sätze einem Kollegen geschickt, der Auszüge über einen Newsletter verteilte, womit sie in die Hände des Arztes und Dopingkritikers Werner Franke gelangten. Dieser wiederum musste sich gerade vor Gericht verteidigen, weil er der ARD vorgeworfen hatte, Doping zu verharmlosen. Seppelts E-Mail legte er als Beweis für seine These vor.</p>
<p>Der Prozess endete mit einem Vergleich, was Seppelt nicht half. In der Presse war damals zu lesen, die Sportverantwortlichen hätten sich geärgert, dass ausgerechnet einer aus dem eigenen Haus dem Angeklagten als Kronzeuge diente. Seppelt verlor seinen Job – angeblich auf Drängen des damaligen Sportkoordinators Hagen Boßdorf. Offiziell hieß es, er solle sich nur noch auf Dopingrecherchen konzentrieren. Doch niemand der Verantwortlichen, sagt Seppelt, habe mit ihm vorher darüber auch nur ein Wort gesprochen.</p>
<p>Boßdorf will sich heute nicht mehr dazu äußern. Auch andere Beteiligte schweigen. Und Seppelt will verheilte Wunden nicht aufreißen. „Die Zeiten haben sich geändert“, sagt er. „Heute gibt es in der ARD ein größeres Interesse an kritischer Sportberichterstattung.“ Er lobt die Gründung der Dopingredaktion, die beim WDR angesiedelt ist, und der er seit 2007 selbst als festfreier Mitarbeiter angehört.</p>
<p>Trotzdem ist das Verhältnis zwischen Rechercheuren und Sportkommentatoren kompliziert. Wenn Seppelt als Dopingexperte zu den Olympischen Spielen fährt, dürften die meisten da rauf hoffen, dass er nichts herausfindet. Denn sobald es einen Dopingverdacht gibt, sagen Sponsoren ab, sinken die Einschaltquoten und der Sender muss sich fragen lassen, warum er so viel Geld für die Übertragungsrechteausgibt. Seppelt ist ein Spielverderber – weil er auf die Regeln pocht.</p>
<p>Selbst unter kritischen Sportjournalisten gilt er als Einzelkämpfer. Von sechs angefragten Fernsehkollegen war kein einziger bereit, öffentlich über Seppelt zu sprechen.</p>
<p>Es ist früher Nachmittag, als in Köln Seppelts Podiumsdiskussion beginnt. Der Raum ist voll, einige Zuschauerlümmeln auf dem Fußboden. Zunächst läuft ein Film, in dem es um seine Recherchen zu Alberto Contador geht. Seppelt war sich im Herbst 2010 nahezu sicher, dass der Tour-de-France-Sieger gedopt war, denn er hatte konkrete Hinweise auf positive Tests erhalten. Seppelt flog in die Schweiz zum internationalen Radsportverband UCI, um eine Bestätigung zu erbitten. Er wurde abgewiesen.„Ein Sprecher hat uns angeschrien: Warum macht ihr unseren Sport kaputt?“, erzählt Seppelt.</p>
<p>Mangels Bestätigung entschied die Redaktion, die Story nicht zu bringen, und Seppelt fuhr am Abend nach Berlin zurück. In der Nacht räumte die UCI dann doch per Pressemitteilung ein, dass Alberto Contador positiv auf Clenbuterol getestet worden sei. „Es war die Flucht nach vorn“, sagt Seppelt. „Die Funktionäre hatten nach unserem Besuch Angst, dass die ARD jeden Moment über den Fall berichten könne.“ Es war eine gescheiterte Recherche– und doch eine geglückte. Denn die Nachricht war raus. Contador wurde vorläufig gesperrt.</p>
<p>Seit Seppelt keine Schwimmwettkämpfe mehr kommentiert, beschäftigt er sich fast nur noch mit Doping. Der Tagesspiegel schrieb, Seppelt erinnere dabei an den starken Raucher, der zum militanten Nichtraucher geworden sei, benehme sich wie eine Mischung „aus Messias und Scharfrichter“.</p>
<p>Einmal richtete er wohl etwas früh. Im Januar 2008hatte Seppelt per Pressemitteilung verkündet, dass 20deutsche Wintersportler Kunden in einem Wiener Labor für Blutdoping gewesen sein könnten. Eine Nachrichtenagenturmachte aus dem Verdacht eine Tatsache, und ein Sturm brach los. Alle wollten von Seppelt die Namen hören. Doch er konnte nicht liefern.„Die Spur war richtig“, sagt Thomas Kistner, Sportjournalist bei der Süddeutschen Zeitung. „Dass es in Wien eine international vernetzte Doping-Tankstelle gab, steht fest.“ Und natürlich könne man fragen, warum die deutschen Wintersportler davon nichts gewusst haben wollen. Kistner verteidigt Seppelt. Andere fragen, ob die E-Mail vor Abschluss der Recherchen klug war. „Durch das Herausposaunen wurden womöglich Informanten verschreckt und das Tor zur Wahrheit vielleicht wieder geschlossen“, sagt einer, der nicht genannt werden will.</p>
<p>Seppelts neuester Dokumentarfilm sollte ursprünglich kein Dopingfilm werden. Er wollte den Sport in Nordkoreazeigen. Gemeinsam mit seinem Kollegen Robert Kempe buhlte er zwei Jahre lang beim Kulturattaché in Berlin um ein Visum. Im Frühjahr kam die Genehmigung.„Die sechstägige Reise war für mich das intensivste Erlebnis in 26 Jahren Journalismus“, sagt Seppelt. Die Autorenhaben eine verstörende Dokumentation gemacht über ein graues Land mit leeren Ausfallstraßen und gehorsamen Menschen – und am Ende ist es wieder ein Dopingfilm geworden.</p>
<p>Seppelt und Kempe waren schon zurück in Deutschland, als das nordkoreanische Frauenfußballteam während der Weltmeisterschaft im Juli positiv auf verschiedene verbotene Substanzen getestet wurde. Das Themaholt Seppelt immer wieder ein. „Sport ohne Doping ist so realistisch wie Wirtschaft ohne Korruption oder wie Straßen verkehr ohne Unfälle“, sagt er. Nur dass über Doping in Sportlerkreisen ungern gesprochen werde. Die Funktionäre steckten in einem Dilemma. „Ein Verband, der mit strengen Kontrollen reihenweise Doper auffliegen lässt, steht in der Öffentlichkeit nicht in erster Linie als konsequenter Bekämpfer der Manipulation da, sondern vor allem als Sportorganisation, die ein Dopingproblem hat.“</p>
<p>Noch nie ist es einem Journalisten gelungen, einen Sportler des Dopings zu überführen. Auch Seppelt nicht. Die entscheidenden Beweise lieferten immer die Analytikerin den Laboren. Trotzdem wird Seppelt weiter recherchieren. Mit versteckter Kamera und einem Netz aus Informanten. Er kann gar nicht anders. „Wissen Sie, welches die einzige Sportart ist, in der ich noch nie von einem Dopingverdacht gehört habe“, fragt er und macht eine Pause.„Trampolinspringen.“</p>
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		<title>Bunt fürs Leben</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Dec 2011 12:43:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ralfgeissler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Kaum ein Künstler weltweit hat so viel Fläche bemalt wie der Leipziger Michael Fischer-Art. Und er kann nicht aufhören. DIE[.....]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Kaum ein Künstler weltweit hat so viel Fläche bemalt wie der Leipziger Michael Fischer-Art. Und er kann nicht aufhören.</strong></p>
<h5><strong>DIE ZEIT</strong>, 05.12.2011</h5>
<p>Michael Fischer-Art will überall sein. In seinem Atelier, unweit des Leipziger Hauptbahnhofs, hängt zwischen Gemälden und Skizzen eine Weltkarte. Der Künstler hat mit 112 Nadeln alle Orte markiert, an denen Werke von ihm zu sehen sind. Die Nadeln stecken in Europa, Amerika, Asien und Afrika. Fischer-Art ist weltweit erfolgreich, soll das wohl heißen. Da kann die Kulturelite seiner Stadt noch so viel spotten. An ihm kommt keiner vorbei – weil man ständig an ihm vorbeikommt.</p>
<p>Wohl kein zweiter Künstler der Gegenwart hat so viel Fläche bemalt wie <a href="http://www.fischer-art.de/" target="_blank">Michael Fischer-Art</a>. In Berlin, Leipzig, Stuttgart, Chemnitz und Sebnitz machte er ganze Häuser bunt. Comicartige Figuren bevölkern seine Fassaden. Sie haben große Augen, wulstige Lippen und erinnern an Kinderbilder. Zuletzt machte Fischer-Art Schlagzeilen, weil der Denkmalschutz ihm verbieten wollte, ein Reihenhaus im Süden Leipzigs zu bemalen. Dabei hatten ihn die Besitzer darum gebeten, weil ihre Fassade immer wieder mit Graffiti beschmiert worden war. Man könnte sagen: Fischer-Art ist ein Künstler, den Leute bestellen, um Schlimmeres zu verhindern. Kritiker spotten, er könne nur Buntes und Belangloses, seine Kunst sei inflationär verbreitet.</p>
<p>Das will er nicht auf sich sitzen lassen. »Ich habe da mal was zusammengestellt«, sagt Fischer-Art und beugt sich über Papierberge auf dem Tisch. Trotz seiner 42 Jahre hat er etwas Jungenhaftes. Er trägt kurze rotblonde Haare. Ein dicker Schal umschlingt seinen Hals. »Das hier will ich auf einen Hügel am Stadtrand stellen«, sagt Fischer-Art und zieht die Skizze einer Skulptur von Johann Sebastian Bach aus dem Stapel. »Und das hier ist mein Vorschlag für Hotels am Cospudener See.« Er zeigt Entwürfe für eine Kirche, für bemalte Windräder und ein Einkaufszentrum. Seine Pläne rauschen im Stakkato vorbei, und man fragt sich, ob er die Energydrinks neben seinem Schreibtisch alle auf einmal geleert hat.  Weiterlesen auf <a href="http://www.zeit.de/2011/49/S-Fischer-Art/komplettansicht" target="_blank">ZEIT Online</a></p>
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		<title>Käpt&#8217;n Fabio</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Nov 2011 14:11:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ralfgeissler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Fabio Reinhardt wollte Journalist werden. Jetzt sitzt er als Pirat im Berliner Abgeordnetenhaus. Die Geschichte einer überraschenden Karriere. journalist, 11/2011[.....]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Fabio Reinhardt wollte Journalist werden. Jetzt sitzt er als Pirat im Berliner Abgeordnetenhaus. Die Geschichte einer überraschenden Karriere.</strong></p>
<h5><em><strong>journalist</strong></em>, 11/2011</h5>
<p><a href="http://www.ralf-geissler.de/2011/11/kaptn-fabio/fabio_reinhardt_by_jan_zappner-2/" rel="attachment wp-att-522"><img class="alignleft size-full wp-image-522" title="fabio_reinhardt_by_jan_zappner" src="http://www.ralf-geissler.de/wp-content/uploads/2011/11/fabio_reinhardt_by_jan_zappner1.jpg" alt="" width="214" height="320" /></a>Die Revolution riecht nach abgestandener Luft und schmeckt nach Club Mate. Sieben Piraten beugen sich im Berliner Abgeordnetenhaus über ihre Laptops. Es ist Montagabend. Offene Vorstandsversammlung der Fraktion. Einer nippt an seiner Flasche, ein anderer nuschelt die Tagesordnung in den Raum. Jedes Wort und jedes Husten wird live ins Internet übertragen. &#8220;Wir wollen unsere Arbeit so transparent wie möglich machen&#8221;, sagt <a href="http://pirat.fabioreinhardt.de/" target="_blank">Fabio Reinhardt</a>, 30 Jahre alt und stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Transparenz sei das Wichtigste in einer Demokratie.</p>
<p>Unter den Berliner Piraten wirkt Reinhardt am ehesten wie ein Politiker. Weiche Gesichtszüge, lila Hemd, dunkles Sakko. Er hat sich gründlich rasiert und formuliert Sätze wie: &#8220;Die Kombination aus jungen, motivierten Menschen, flachen Hierarchien und schneller, digitaler Kommunikation birgt ein enormes Potenzial, um Politik zu gestalten und miteinander gesellschaftliche Lösungen zu finden.&#8221; Ein Satz für alle. Man kann ihm schwer widersprechen.</p>
<p>Wer Reinhardt in der Sitzung besucht, lernt, dass Politik auch unter Piratenflagge ermüdend sein kann. Der Fraktionsvorstand diskutiert über Arbeitsgruppen, verlost die Sitzverteilung der Abgeordneten im Plenum und entscheidet, ob bei der konstituierenden Sitzung des Parlaments alle das gleiche T-Shirt tragen sollen. Reinhardt stimmt dagegen. &#8220;Ein Lehrerseminar aus Rheinland-Pfalz möchte sich mit uns treffen&#8221;, sagt er zu Tagesordnungspunkt 4: Berichte. Er erzählt im Vorstand von zwei Artikeln, die er geschrieben hat, und dass er am Wochenende nach Wien fliegt – zu den Österreicher Piraten.</p>
<p>Reinhardt hat schon den halben Tag in diesem Raum verbracht. Es gibt für die Fraktion noch keine Arbeitszimmer im Berliner Abgeordnetenhaus, weil die FDP, die bei der Wahl gnadenlos unterging, für ihren Auszug seltsam viel Zeit benötigt. Raum 109 ist für die Piraten derzeit Büro, Sitzungssaal, Sekretariat und Pausenzimmer in einem. Ein ständiges Kommen und Gehen. &#8220;Es fühlt sich an wie in einer WG&#8221;, sagt Reinhardt. Schwer zu sagen, ob er das gut oder schlecht findet.  <a title="Fabio Reinhardt" href="http://www.journalist.de/ratgeber/handwerk-beruf/menschen-und-meinungen/fabio-reinhardt-kaeptn-fabio.html" target="_blank">Weiterlesen</a></p>
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		<title>Der König aus dem Erzgebirge</title>
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		<pubDate>Thu, 27 Oct 2011 08:52:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ralfgeissler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt nur einen Mann, der die FDP noch retten kann: Heinz-Peter Haustein ist der letzte Liberale, der vom Volk[.....]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Es gibt nur einen Mann, der die FDP noch retten kann: Heinz-Peter Haustein ist der letzte Liberale, der vom Volk wirklich geliebt wird.</strong></p>
<h5><strong>DIE ZEIT</strong>, 27.10.2011</h5>
<p>Der Mann, der die FDP wieder nach oben bringen könnte, besitzt passenderweise eine Aufzugfirma und dient als Hauptlöschmeister in der freiwilligen Feuerwehr. Leider lebt er in der sächsischen Provinz.</p>
<p>Heinz-Peter Haustein, 57 Jahre alt, ein Hüne mit dem Händedruck eines Bergmanns, blickt aus dem Fenster seiner Firmenzentrale in Deutschneudorf. Die nächste Autobahn ist eine Stunde entfernt. Haustein sieht die Hänge des Erzgebirges und die tschechische Grenze, doch er denkt an Berlin und den Bundesaußenminister. »In der Politik ist es wie beim Fußball«, sagt er. »Die Erfolge von gestern interessieren heute keinen mehr. Das habe ich dem Guido schon vor einem Jahr gesagt.«</p>
<p>Haustein weiß, wie man konstant Erfolg hat. Bei der Bürgermeisterwahl 2006 in Deutschneudorf holte der FDP-Mann 99,2 Prozent. Und weil sie im 1.100-Einwohner-Ort fanden, dass er einen guten Job macht, stimmten bei der Gemeinderatswahl drei Jahre später gleich alle für die Liberalen: 100 Prozent. Andere Parteien traten gar nicht an. Alle zwölf Gemeinderäte werden von der FDP gestellt.</p>
<p>Und heute? »Die FDP steht bundesweit am Abgrund«, sagt Haustein und kommt auf seinen Parteivorsitzenden zu sprechen. »Der Philipp ist ein intelligenter Mann. Aber ich glaube nicht, dass wir das in der jetzigen Aufstellung packen werden.«</p>
<p>Wer wissen will, wie es die FDP packen kann, muss Haustein begleiten, den sächselnden Haudegen aus dem Erzgebirge.    Weiterlesen auf <a title="Der König aus dem Erzgebirge" href="http://www.zeit.de/2011/44/S-FDP/komplettansicht" target="_blank">ZEIT Online</a></p>
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		<title>Wob, der Baumeister</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Oct 2011 16:12:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ralfgeissler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Wolfgang Büchner hat die dpa umgekrempelt. Die einst verstaubte Nachrichtenagentur wurde unter seiner Leitung moderner und lernfähiger. Der Umbau geht[.....]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wolfgang Büchner hat die dpa umgekrempelt. Die einst verstaubte Nachrichtenagentur wurde unter seiner Leitung moderner und lernfähiger. Der Umbau geht weiter: Jetzt will Büchner die fremdsprachigen Dienste enger vernetzen.</strong></p>
<h5><em><strong>journalist</strong></em>, 10/2011</h5>
<p><a href="http://www.ralf-geissler.de/2011/10/wob-der-baumeister/wolfgang_buechner_by_zappner/" rel="attachment wp-att-528"><img class="alignright size-full wp-image-528" title="wolfgang_buechner_by_zappner" src="http://www.ralf-geissler.de/wp-content/uploads/2011/10/wolfgang_buechner_by_zappner.jpg" alt="" width="214" height="327" /></a>Manchmal läuft Wolfgang Büchner durch sein Großraumbüro und weiß nicht, wen er siezen muss. Als er vor knapp zwei Jahren Chefredakteur der Deutschen Presseagentur (dpa) wurde, hat er allen Kollegen das Du angeboten. Nicht jeder nahm an. „Und bei über 460 Redakteuren habe ich etwas den Überblick verloren“, sagt Büchner. Doch am Ende zählt das Signal: Der Chef setzt auf eine Du-Kultur. Staatstragend war die dpa gestern.</p>
<p>Es ist ziemlich genau ein Jahr her, dass Büchner mit seinen Kollegen in die Hauptstadt gezogen ist und die dpa-Redaktionen aus Hamburg, Frankfurt am Main und Berlin in einem Gebäude auf dem ehemaligen Berliner Mauerstreifen vereint hat. Das neue Großraumbüro misst stattliche 3.000 Quadratmeter, ein dicker Teppichbelag dämpft den Schall, durch die Fenster am fernen Ende des Raums schimmert das Fassadengelb des Axel-Springer-Hochhauses. „Wir sind Mieter bei Axel Springer, sitzen aber nicht im Springer-Gebäude“, sagt Büchner. Der Unterschied ist ihm wichtig. Der Tagesspiegel hat die Unabhängigkeit der dpa schon mal infrage gestellt.</p>
<p>Büchner hat die Agentur reformiert. Er baute sieben regionale Newsdesks auf, die nun die Landesbüros koordinieren. Er predigte seinen Mitarbeitern „richtig geht vor schnell“ und forderte eine neue Lust am Recherchieren und Erzählen. Statt jedes Thema abzudecken, verlangte er mehr Schwerpunkte. Und er führte eine neue Kultur des Umgangs mit Fehlern ein: Zugeben statt Vertuschen. Kurzum: Büchner hat aus der behäbigen Tante dpa eine flotte Schwiegermutter gemacht. Bis sie eine sexy Begleiterin im Journalistenalltag ist, muss er allerdings noch etwas arbeiten.</p>
<p><span id="more-508"></span> Der 45-Jährige steht im dunklen Anzug am sogenannten Cockpit – einem Tisch-Kreis im Zentrum seiner Redaktion. Von hier aus wird gesteuert, was Deutschlands größte Nachrichtenagentur veröffentlicht. Ein Bildschirm zeigt dpa-news.de – das Internetportal, auf dem die Agentur ihre Texte und Bilder veröffentlicht. „Unsere Kunden können auf der Seite kommentieren, Fragen stellen, Themen vorschlagen“, sagt Büchner. Und das Portal hilft seinen Mitarbeitern, sich in die Lage der Kunden zu versetzen. „Wenn wir aus unserem Material keine gute Internetseite bauen können“, sagt Büchner, „dann können es andere Redaktionen auch nicht.“</p>
<p>Etwa zwei Mal im Monat sitzt Büchner selbst am Cockpit, mitten im Grundrauschen des Großraumbüros und betreut die Seiten. Das kommt gut an. Fragt man seine Mitarbeiter, hört man viel Positives über ihn: Büchner begegne einem auf Augenhöhe, vermittle Aufbruch, könne mitreißen. Er pflegt eine amerikanische Motivationskultur, sieht zuerst die Chancen. Seine E-Mails unterschreibt der Mann, der die dpa umbaut, manchmal mit Wob. Kling wie: Wob, der Baumeister.</p>
<p>Hauptsorge des Chefredakteurs sind nicht seine Kollegen sondern seine Konkurrenten – allen voran die dapd. Vor anderthalb Jahren begannen die dapd-Eigentümer damit, eine Vollagentur aufzubauen und tönten in der Süddeutschen Zeitung, man wolle die dpa „verzichtbar“ machen. Inzwischen ist die Zahl der dapd-Redakteure auf 300 gewachsen. Die Agentur ist an 32 Standorten vertreten und hat seit dem Sommer ein vollwertiges Sportressort.</p>
<p>Besonders stolz ist man auf die Möglichkeiten der Auslandsberichterstattung. „Wir können per Vertrag auf das gesamte internationale Angebot von AP zurückgreifen“, sagt dapd-Sprecher Wolfgang Zehrt. Man müsse die Texte der weltweit 3.000 Korrespondenten nur noch übersetzen. „Ein besseres internationales Nachrichtennetzwerk kann man gar nicht haben.“</p>
<p>Wolfgang Büchner sieht das anders. „Unsere Auslandsreporter berichten direkt aus der deutschen Perspektive“, sagt er. „Damit entsprechen wir den Bedürfnissen der deutschen Medien.“ Kürzlich konnte eine dpa-Korrespondentin an einem Gruppeninterview für lateinamerikanische Reporter mit US-Präsident Obama teilnehmen. „Sie hat als einzige Obamas Haltung zur Euro-Krise aufgeschrieben“, sagt Büchner. Wenn Deutsche im Ausland entführt würden, berichte stets die dpa am ausführlichsten.</p>
<p>Obwohl Büchner sich im Vorteil sieht, will er seine Auslandsabteilungen umbauen. Neben dem deutschsprachigen Dienst gibt die dpa auch Meldungen auf Englisch, Spanisch und Arabisch heraus. Die Mitarbeiter dieser Auslandsdienste sollen nun zu regionalen Netzen zusammengefasst werden. „Am Ende wird das Personal und Geld sparen“, sagt Büchner, der zugleich betont, die Zahl der Reporter bleibe gleich. „Wir wollen im englischen und spanischen Dienst vor allem die Abteilungen straffen, die Texte redigieren und senden.“</p>
<p>Im vergangenen Jahr hat die dpa 5,2 Millionen Euro Verlust gemacht. In diesem Jahr könnte es wieder ein Plus werden, doch die Zeitungsverlage drängen angesichts sinkender Auflagen auf niedrigere Abonnementpreise. Dabei verweisen sie gern auf die dapd, die von sich behauptet, mit ihrem Basisdienst 30 Prozent günstiger zu sein als die dpa. „Den Preiswettbewerb wollen wir gar nicht gewinnen“, entgegnet Büchner. Für ihn sei der Schlüssel zum Erfolg die Qualität. Der Journalismus habe zwei Alternativen: „Er wird besser oder überflüssig.“</p>
<p>Geboren wurde Wolfgang Büchner 1966 in Speyer als Sohn eines Konditormeisters und einer Verwaltungsangestellten. Seinen ersten Artikel schrieb er mit 16 für die Speyerer Tagespost über das „Sommernachtsfest der Vogelschutzfreunde in Hanhofen“. Nach dem Abitur bildete ihn das Institut zur Förderung des publizistischen Nachwuchses in München zum Redakteur aus. 1990 baute Büchner in Halle (Saale) und Magdeburg die Boulevardzeitung Express mit auf, gab ein kurzes Intermezzo bei Bild und wurde 1991 Agenturjournalist bei AP und später bei Reuters.</p>
<p>Damals entschied sich Büchner, sein Studium der Politikwissenschaften abzubrechen. Er ging mit schlechtem Gewissen zu seinem Professor, der ihm die Hand auf die Schulter legte und sagte: „Lieber Freund, für manche ist die Straße die beste Universität.“ Büchner lacht, wenn er heute die Geschichte erzählt. Er sitzt in seinem Büro, das ein wenig an ein Aquarium erinnert. Fast alle Wände sind aus Glas. Seine Mitarbeiter können von Außen sehen, wie er die Höhe seines Schreibtischs verstellt.</p>
<p>Büchner hat wenig Zeit, aber redet gern. Man muss ihm nur einige Stichworte geben, und er hält kleine Vorträge über die Rolle von Journalisten, die mehr einordnen und erklären müssten. Ehemalige Kollegen sagen, er habe sich verändert. Vor zehn Jahren soll Büchner hin und wieder Wutanfälle bekommen haben, wenn etwas nicht so lief, wie er dachte. Heute ruht er geradezu in sich selbst – und wirkt trotzdem sehr wach.</p>
<p>1999 gehörte Büchner zum Gründungsteam der Financial Times Deutschland. Zwei Jahre später stellte ihn Spiegel Online als geschäftsführenden Redakteur ein. Wer dort im Archiv stöbert, hat den Eindruck: Eine Edelfeder ist Büchner eher nicht. Er hat zwar nicht viele Texte für Spiegel Online geschrieben, aber die wenigen sind recht speziell.</p>
<p>So berichtete Büchner unter der Überschrift „Einwobbeln, losbrummen, abrauchen“ im Juli 2001 über ein Treffen von Auto-Freaks, die ihre Musikanlagen aufmotzen. Vor lauter db-Drag-Teams, Dezibel-Boliden und Woofern versteht der Laie beim Lesen allerdings kaum, worum es geht. Im gleichen Jahr beschwerte sich Büchner in einem Artikel darüber, dass er in einem Hamburger Kino zur „Harry Potter“-Vorstellung keinen Logensitz bekam, obwohl er dafür bezahlt hatte. Der Text „Eiskalt abgepottert“ wurde mittlerweile aus dem öffentlichen Archiv entfernt.</p>
<p>Wenn man Büchner darauf anspricht, zuckt er mit den Schultern und kann sich nicht erinnern. Stattdessen öffnet er auf seinem Computer eine acht Jahre alte Textserie. Unter der Überschrift „Agenda 2003 – Was jetzt geschehen muss“ forderte Büchner die Spiegel-Online-Leser damals auf, Reformvorschläge zu schicken: Wie kommt die deutsche Wirtschaft wieder auf Touren? Wie können die öffentlichen Haushalte saniert werden? Wie müssen die deutschen Sozialsysteme reformiert werden? „Wir haben mehr als 1.000 Vorschläge bekommen“, sagt Büchner. „Und wir haben uns sehr gefreut, als die Regierung Schröder kurze Zeit später ihrem Reformprogramm den Titel ,Agenda 2010&#8242; gegeben hat.“</p>
<p>Die Serie illustriert gut, was er am Besten kann: Ideen sammeln, Projekte organisieren, andere begeistern. Er ist eher Manager als Journalist. Bei Spiegel Online baute er die Geschichtsseiten Einestages auf, stieß die Zwiebelfisch-Kolumne mit an und warb Ex-Titanic-Chefredakteur Martin Sonneborn für ein Satire-Ressort.</p>
<p>Eines Abends saßen Sonneborn, Büchner und der damalige Spiegel-Online-Chefredakteur Matthias Müller von Blumencron im Hamburger Gasthaus Glasperle zusammen und suchten nach einem Namen für das Ressort. Schließlich fragte Sonneborn: „Was hassen die Menschen am Internet am meisten?“ Die Redakteure antworteten zugleich: „Spam!“ Damit war die Namensfrage entschieden.</p>
<p>Als Blumencron zum gedruckten Spiegel wechselte, übernahm Büchner mit Rüdiger Ditz 2008 die Online-Chefredaktion. Beiden gelang, was männlichen Doppelspitzen selten gelingt: „Sie haben als Tandem gut harmoniert“, sagt Jochen Leffers, Ressortleiter beim Unispiegel. „Ditz hat ein famoses Gedächtnis für Texte und Themen, ist detailsicher und ausgesprochen loyal zu seinen Leuten. Büchner ist spontan und schlagfertig, sehr kreativ, trifft auch unangenehme Entscheidungen flott. Humor haben beide.“ Sie ergänzten sich.</p>
<p>Vor seinem Wechsel zur dpa Ende 2009 lud Büchner die Mitarbeiter noch einmal zur Party ein. Fast alle erschienen mit einer Maske: Büchner-Gesicht unter Irokesen-Frisur im Sascha-Lobo-Stil. Das spielte auf Büchners Faible für Online-Gimmicks und technische Spielereien an. Seine Sekretärin, die den Party-Gag vorbereitet hatte, verabschiedete ihn mit den Worten: „Ich hab&#8217; Dir heute 150 Mal die Augen ausgeschnitten.“ Sie tat es aus Zuneigung.</p>
<p>Verschnupft über Büchners Weggang soll Spiegel-Chefredakteur Blumencron gewesen sein. Angeblich konnte er nur schwer verdauen, dass sein Ziehsohn nach nur einem reichlichen Jahr als Online-Chef das Team verlässt.</p>
<p>Nun hat Büchner in kurzer Zeit die dpa verändert. Doch Agenturen sind wie Tanker: Niemand wendet sie auf Anhieb. Die hölzerne Sprache ist noch nicht aus jedem Text verschwunden. Und die WAZ-Gruppe kommt nach wie vor ohne dpa aus. „Entscheidend sind für uns die Leser“, sagt dazu WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz. „In den ganzen Jahren ohne dpa hat niemand angerufen und gefordert: Nehmt wieder diese Agentur.“</p>
<p>Das klingt abweisender als es vielleicht gemeint ist. Reitz sagt auch, dass sich die dpa zum Positiven verändert habe. „Sie arbeitet kundenorientierter. Wir beobachten das sehr genau. Ich finde, dass Wolfgang Büchner einen guten Job macht.“</p>
<p>Das sehen viele in der Branche so. „Man merkt deutlich, dass bei der dpa frischer Wind eingezogen ist“, sagt Joachim Widmann, Chefredakteur beim Fränkischen Tag. Allerdings hält er das Kernproblem für ungelöst. „Alle Agenturen liefern das gleiche Material an alle Medien“, sagt er. „Das benachteiligt Regionalzeitungen, weil die schönen Geschichten schon am Vortag im Internet stehen.“ Die Zeitungen brauchen eigene Inhalte, daher sei es nicht verwunderlich, wenn Zeitungsredakteure Nachrichtenagenturen nicht mehr so wichtig fänden.</p>
<p>Widmann war fünf Jahre lang selbst Agenturchef beim Konkurrenten ddp. Zur Lösung des Dilemmas hat er damals erwogen, einen Feature-Dienst mit schönen Texten einzurichten – exklusiv oder mit zeitlichem Vorrang für die gedruckten Medien. Bevor er die Idee ausprobieren konnte, wechselte er allerdings zur Regionalzeitung nach Bamberg.</p>
<p>Wolfgang Büchner kennt das Problem, will es aber anders lösen. Er setzt auf das Prinzip Veredelung. „Wenn eine Redaktion qualitativ hochwertig sein will, dann wird sie unsere Texte nicht nur kopieren sondern weiterverarbeiten“, sagt Büchner. „Als Agentur liefern wir Bausteine, Referenzmaterial, aus dem die Redaktionen etwas Einzigartiges machen können.“ Unter anderem deshalb hat er den dpa-Notizblock eingeführt, eine Art Infokasten unter jeder Meldung, in dem Expertennamen, Telefonnummern und Internetadressen für weitere Recherchen stehen.</p>
<p>Morgens 9 Uhr: Die dpa-Mitarbeiter strömen zur einzigen Sitzkonferenz des Tages. Wer Effizienz erleben will, sollte hier vorbeischauen. Innerhalb einer Viertelstunde besprechen die Teilnehmer die Themen des Tages. Über Videoleitungen nehmen die regionalen Desks teil. An der Wand ist dpa-news.de zu sehen. Die Schlagzeile „FDP hält an möglicher Griechenland-Insolvenz fest“ findet Büchner unpräzise. Er schlägt vor: „FDP ignoriert Merkels Machtwort“. Keine zehn Minuten später ist der Text geändert.</p>
<p>Seit er hier Chefredakteur ist, schickt Büchner regelmäßig Rundmails an seine Mitarbeiter. Sie lesen sich stellenweise wie Erweckungsschreiben. Von Überzeugungen ist dort die Rede, von Qualität, Engagement und Leidenschaft – und auch von Vorbildern wie Rudolf Augstein. So schrieb er dem Team: „Ich möchte, dass unsere Kunden sagen: ,Ja, wir könnten vielleicht auf dpa verzichten, aber wir wollen das auf gar keinen Fall. Wir wollen daran teilhaben, was die dpa entwickelt. Wir wollen von der neuen dpa profitieren.&#8217;“</p>
<p>Büchner sagt, er möchte zeigen, dass professioneller Journalismus eine Chance habe. Dass Qualität sich durchsetze, auch wenn sie Geld koste. Er klingt ziemlich selbstbewusst zum Schluss, als wolle er sagen: Sollte ich scheitern, dann scheitern andere mit diesem Anspruch auch.</p>
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		<title>Im Schatten</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Sep 2011 08:18:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ralfgeissler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>

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			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Victor Klemperers Tagebücher sind weltberühmt. Doch keiner kennt den Mann, der sie einst dem Vergessen entriss.</strong></p>
<h5><strong>DIE ZEIT</strong>, 22.09.2011</h5>
<p>Uwe Nösner wirkt wie aus der Zeit gefallen. Der Mann, der in den Tagebüchern von Victor Klemperer schon 1987 Literatur erkannte, schlurft im abgetragenen Jeansanzug durch den Sächsischen Landtag. Die Schultern des 51-Jährigen hängen tief. Sein Büro im zweiten Stock ist grau und eng. »Den Kaffee muss ich selber kochen«, nuschelt Nösner. Er bekommt selten Besuch hier, und noch seltener fragt ihn jemand nach Klemperer.</p>
<p>Dabei war Nösner der Erste, der weite Passagen der heute weltberühmten Tagebücher des Dresdner Romanistikprofessors mühsam entzifferte – was ihm allerdings weder Ruhm noch Geld einbrachte. Bekannt sind inzwischen die Bände aus dem Aufbau-Verlag: Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten verkaufte sich 350.000 Mal und steht in fast jeder Schulbibliothek. Millionen Menschen sahen in der ARD Klemperer – Ein Leben in Deutschland . Aber nur wenige verbinden mit den Tagebüchern den breit sächselnden, etwas vergeistigt wirkenden Landtagsmitarbeiter Nösner, der in seiner Freizeit dichtet und hauptberuflich Reden und Grußworte des Landtagspräsidenten schreibt.</p>
<p>Weiterlesen auf <a title="Im Schatten" href="http://www.zeit.de/2011/39/S-Noesner-Klemperer/komplettansicht" target="_blank">ZEIT Online</a></p>
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		<title>Politiker erlebt Pflegealltag</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Sep 2011 19:46:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ralfgeissler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Schwerstbehinderte betreuen statt Ausschussitzungen. Deutschlandradio Kultur, 05.09.2011 Von Politikern heißt es oft, ihnen fehle der Kontakt zur Basis. In Sachsen organisiert[.....]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Schwerstbehinderte betreuen statt Ausschussitzungen.</strong></p>
<h5><strong>Deutschlandradio Kultur</strong>, 05.09.2011</h5>
<p><a href="http://www.ralf-geissler.de/2011/09/politiker-als-krankenpfleger/politiker-erlebt-pflegealltag-klein-2/" rel="attachment wp-att-477"><img class="alignleft size-full wp-image-477" style="border: 0pt none; margin-top: 10px; margin-bottom: 10px;" title="Politiker erlebt Pflegealltag klein" src="http://www.ralf-geissler.de/wp-content/uploads/2011/09/Politiker-erlebt-Pflegealltag-klein1.jpg" alt="" width="265" height="200" /></a>Von Politikern heißt es oft, ihnen fehle der Kontakt zur Basis. In Sachsen organisiert die Freie Wohlfahrtspflege seit drei Jahren den sogenannten Perspektivwechsel. Einen Tag lang arbeiten Abgeordnete in sozialen Einrichtungen. Der CDU-Landtagsabgeordnete Stephan Meyer hat sich den vielleicht härtesten Job ausgesucht. Er pflegte mehrfach Schwerstbehinderte. <a title="Politiker als Pfleger" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/09/05/drk_20110905_0820_9b550aeb.mp3" target="_blank">Hören</a></p>
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		<title>Grenzgänger</title>
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		<pubDate>Sat, 02 Jul 2011 14:52:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ralfgeissler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Jan Spielhagen ist dreifacher Chefredakteur. Er leitet die Kundenmagazine von Deutscher Bahn und Volkswagen. Zugleich verantwortet er Beef! &#8211; eine[.....]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Jan Spielhagen ist dreifacher Chefredakteur. Er leitet die Kundenmagazine von Deutscher Bahn und Volkswagen. Zugleich verantwortet er Beef! &#8211; eine Kochzeitschrift für Männer. Spielhagen bewegt sich ständig zwischen Unternehmens-PR und Lebensgefühl-Journalismus. Wie sieht er das selbst?</strong></p>
<h5><em><strong>journalist</strong></em> 07/2011</h5>
<p><a href="http://www.ralf-geissler.de/2011/07/grenzganger/zp_janspielhagen_20110614-17_klein/" rel="attachment wp-att-466"><img class="alignleft size-full wp-image-466" title="zp_JanSpielhagen_20110614-17_klein" src="http://www.ralf-geissler.de/wp-content/uploads/2011/09/zp_JanSpielhagen_20110614-17_klein.jpg" alt="" width="210" height="315" /></a>Für einen Moment denkt man, Jan Spielhagen wäre auch ein passabler Bahn-Sprecher geworden. „Wissen Sie, wie viele Passagiere die Deutsche Bahn im Vergleich zur Lufthansa befördert“, fragt er und lächelt höflich, als man total daneben tippt. „Jeden Tag fahren so viele Menschen Bahn wie in einem Jahr mit der Lufthansa fliegen“, sagt er. Da soll noch einer behaupten, der Schienenverkehr in Deutschland sei unbeliebt.</p>
<p>Spielhagen – 40 Jahre, blaues Hemd, dicke Armbanduhr – sitzt in seinem Büro bei Gruner + Jahr unweit des Hamburger Hafens. Im gleichen Haus haben auch die Henri-Nannen-Schule und das Netzwerk Recherche ihre Räume. Am Fenster steht neben der Espresso-Maschine ein Schild mit der Aufschrift „Zukunft bewegen. Das Leitbild des DB-Konzerns“. An der Wand hängt eine Liste mit Namen von Prominenten: Anna Engelke, Jogi Löw, Heike Makatsch. Ihre Gesichter sollen in den nächsten Monaten auf der Titelseite von mobil erscheinen – dem Kundenmagazin der Bahn. Jan Spielhagen ist dessen Chefredakteur.</p>
<p>Seit anderthalb Jahren leitet er das Heft, das Reisende im Fernzug unterhalten soll. Für die Macher ist es eine Gratwanderung. Einerseits muss mobil interessant sein, andererseits will sich die Bahn als Auftraggeber darin wiederfinden. Für jede Ausgabe muss sich Spielhagen zwei Mal das Okay aus der Konzernzentrale holen. Zuerst spricht er die Themen ab und abschließend lässt er sich die Druckfahnen genehmigen. „Im Vergleich zu Kaufzeitschriften gibt es einen mehr, der mitredet“, sagt der Chefredakteur. „Das macht das Arbeiten nicht schlechter, nur anders.“</p>
<p>Das klingt nach Schönreden von PR-Strategien. Andererseits könnten die meisten Texte aus mobil in jeder Illustrierten stehen. Prominenten-Porträts, Reisegeschichten, Buchvorstellungen &#8211; alles nett zu lesen und leicht verdaulich. Investigative Themen gibt es in dem Kundenmagazin nicht. „Wir bringen auch keine Artikel, in denen die Bahn ihre Fehler betont“, sagt Spielhagen. „Wir drucken aber Texte, in denen sie ihre Fehler erklärt – zum Beispiel wenn es wegen einer Gleisbaustrecke zu Verspätungen kommt.“</p>
<p>Er spricht wie ein Diplomat. Und man wundert sich darüber. Weggefährten haben Spielhagen ganz anders beschrieben: Burschikos, fröhlich und voller Leidenschaft. In einem Porträt über ihn aus dem Jahr 2009 steht, er neige zur Zuspitzung. Das stimmt auch noch. Allerdings muss man dafür das Thema wechseln, zum Beispiel zu Beef! &#8211; einem Kochmagazin „für Männer mit Geschmack“, wie es im Untertitel heißt. Auch dort ist Spielhagen Chefredakteur.</p>
<p><span id="more-465"></span> Das von ihm entwickelte, opulent bebilderte Magazin liegt vier Mal jährlich am Zeitungskiosk aus. Die aktuelle Ausgabe trägt den Titel „So werden Sie zum Grill-Gott“. Die Redaktion gibt Tipps zum selber wursten, verrät auf 16 Seiten alles über Bier und thematisiert „Sex in der Küche – Was Männer wollen und Frauen fürchten“. Im April war Spielhagen für Beef! in Istanbul, um sich die orientalische Küche anzusehen. Ein Höhepunkt der kulinarischen Reise: lauwarmes Lammhirn.</p>
<p>„Das sieht aus, wie man es sich vorstellt“, sagt er und öffnet auf seinem Computer die Beef!-Facebook-Seite, auf der er ein Foto der Spezialität veröffentlicht hat. In einem weißen Schälchen liegt auf Tomate und Zitrone gebettet ein Gehirn – gekrönt von drei Spitzen Dill. „Das ist streichfähig wie Leberwurst“, sagt Spielhagen. Mehr als 40 Leser haben das Bild kommentiert. Am Witzigsten fand der Chefredakteur den Eintrag: „Igitt. Dill &#8230;“</p>
<p>Beef! ist ein Nischenprodukt, ein Lebensgefühl-Magazin für Kerle mit gutem Einkommen, die gern kochen und gegenüber Fremden schnell beim Du sind – also für Männer wie Jan Spielhagen. Der Erfolg ist beachtlich. Nach Angaben von Gruner + Jahr verkauft sich jede Ausgabe mehr als 50.000 Mal. Dabei kostet das Magazin am Kiosk stolze 9,80 Euro.</p>
<p>„Wir müssen den Lesern immer wieder beweisen, dass es sich lohnt, so viel Geld auszugeben“, sagt Spielhagen. Sollte die Auflage irgendwann sinken, wird er Diskussionen im Verlag über den Fortbestand von Beef! kaum verhindern können. Er hat schon Lifestyle-Zeitschriften sterben sehen. „Der Kiosk kann gnadenloser sein als der Auftraggeber einer Kundenzeitschrift“, sagt er. „Bei mobil werde ich nie eine Auflagendiskussion bekommen.“ Das sind die zwei Welten, zwischen denen er sich bewegt.</p>
<p>Man könnte Spielhagen einen „MuFuCh“ nennen – einen Multifunktionschefredakteur. Als dritten Posten leitet er auch noch das Volkswagen Magazin. „Dort mache ich genau das gleiche wie bei mobil“, sagt er. „Die Themen, die Konferenzen bei Kunden, Anzeigentermine und so weiter.“ Das Heft erscheint allerdings nur einmal im Quartal. Die Häufung an Verantwortlichkeiten ist typisch für Gruner + Jahr. Schon Klaus Liedtke war im Verlag von 1999 bis 2007 sowohl Chefredakteur von National Geographic Deutschland als auch vom Lufthansa Magazin.</p>
<p>Vor wenigen Monaten hat Spielhagen die Bahn-Kundenzeitschrift optisch aufgefrischt. Das Logo von mobil verlor seinen roten Hintergrund, die Titelgeschichte steht nun nicht mehr auf den vorderen Seiten, sondern in dem Heftteil, zu dem sie thematisch am Besten passt. Hauptmotivation für den Relaunch: Im Herbst hat die Bahn den Auftrag für die nächsten zwei Jahre neu ausgeschrieben. Jeder Verlag konnte sich darum bewerben, mobil zu machen. Spielhagen stellte sein Konzept persönlich beim Vorstand vor.</p>
<p>„Unsere Heft-Philosophie lautet nun: Wir lieben Deutschland“, sagt er. Das klingt nicht originell aber massentauglich. Die Anzahl der Bahn-Themen im Heft ist nach dem Relaunch gleich geblieben. Der Konzern will beim Inhalt aber mehr mitreden als früher. Manche Mitarbeiter führen es auf den neuen Bahn-Vorstand zurück. Darauf angesprochen zuckt Spielhagen mit den Schultern. „Das kann ich nicht einschätzen“, sagt er. „Zu Zeiten des alten Vorstands war ich ja noch nicht hier.“</p>
<p>Geboren wurde Jan Spielhagen am 6. März 1971 als Sohn zweier Lehrer in West-Berlin. Nach dem Abitur beginnt er ein Praktikum beim Boulevardblatt B.Z. Der Axel Springer Verlag bietet ihm daraufhin ein Volontariat an. „Ich wusste zuerst gar nicht, was das ist – ein Volontariat“, sagt Spielhagen. Er verzichtet auf ein Studium und lässt sich bei Springer zum Redakteur ausbilden. 1999 wechselt er zur Männerzeitschrift Men&#8217;s Health, wo er erst Textchef und ein Jahr später stellvertretender Chefredakteur wird.</p>
<p>Ein Fitness-Junkie ist er trotz der sportiven Ausrichtung des Magazins schon damals nicht. Im Gegenteil. Statt von Bauchmuskeln träumt er von einer exklusiven Kochzeitschrift für Männer. Spielhagen will sie Men&#8217;s Health beilegen, doch die Verantwortlichen bremsen ihn aus. Waschbrettbäuche auf der Titelseite und eine Genuss-Beilage – das passe nicht zusammen. Stattdessen arbeitet er an der Entwicklung von Men&#8217;s Car mit – einer Zeitschrift, die laut Spielhagen „nicht fragt wie gut, sondern wie geil ein Auto ist“. Außerdem übernimmt er die Leitung des Ablegers Mens&#8217; Health Best Fashion.</p>
<p>Anfang 2008 wechselt Spielhagen zu Gruner + Jahr und wird Chefredakteur von Healthy Living. Als der Verlag den Ideen-Wettbewerb „Grüne Wiese“ ausruft, erinnert er sich an seinen Traum vom Kochmagazin, entwirft mit drei Kolleginnen das Konzept für Beef! und belegt unter 380 Bewerbungen den ersten Platz.</p>
<p>„Da war Feuer im Team“, erinnert sich Julia Jäkel. Das habe man auch an den Reaktionen im Publikum während der internen Präsentation gemerkt. Die Verlagsgeschäftsführerin hält sehr viel von Spielhagen. „Er ist ein Chefredakteur mit ausgeprägtem Sinn für Optik, ein Ästhet und gleichzeitig starker Texter“, sagt sie. Spielhagen lebe seine Produkte. „Wenn es in Beef! ums Selber-Räuchern geht, dann probiert er das vorher zu Hause aus.“ Manchmal habe sie deshalb ein wenig Mitleid mit seiner Frau.<br />
Der Sieg bei der &#8220;Grünen Wiese&#8221; 2009 sichert Spielhagen die Weiterbeschäftigung im Verlag. Denn er ist gerade ein Jahr Beef!-Chefredakteur, da stellt Gruner+Jahr das erfolglose Healthy Living ein und verkauft die Titelrechte. Bis heute besteht das Beef!-Team aus Spielhagen und drei Mitarbeiterinnen seiner früheren Redaktion. Das Männerheft wird also überwiegend von Frauen gemacht.</p>
<p>Vielleicht mögen es die Leser gerade deshalb. Mitunter schicken sie der Redaktion Pakete mit Selbstgekochtem. Kürzlich kam tiefgefrorenes Sauerfleisch bei Spielhagen an. „Ich weiß gar nicht, ob ich das probieren sollte, oder ob das ein Attentat ist“, sagt er. In seiner Rolle als mobil-Chefredakteur lebt er jedenfalls ungefährlicher. Da muss er nur die aufgewärmte Kost des Bordrestaurants überstehen.</p>
<p>Wenn Spielhagen in die Bahn-Zentrale fährt, nimmt er stets einen Zug, der ihm einen zeitlichen Puffer lässt. „Eine Zug-Verspätung ist keine gute Ausrede“, sagt er. Die Bahn legt Wert auf Pünktlichkeit. Zumindest bei ihren Geschäftspartnern. Die Kundenzeitschrift hat im Vorstand heute einen höheren Stellenwert als noch vor zwei Jahren. Dank guter Anzeigenerlöse trägt sie sich für für den Auftraggeber inzwischen fast von selbst.</p>
<p>Produziert wurde mobil immer von Gruner + Jahr. Zur Gründung war es eines der ersten großen deutschen Kundenmagazine überhaupt. Inzwischen hat die Gruner + Jahr-Verlagstochter Corporate Editors mehr als 30 Auftraggeber, verantwortet das Anlegermagazin compass für die comdirect Bank, den Umzugsratgeber Neues Zuhause für die Deutsche Post und Ikea Family Live. Längst gibt es nicht mehr den einen Grafiker für die eine Kundenzeitschrift sondern Grafikpools, die mehrere Titel bedienen. Als Chefredakteur muss Jan Spielhagen immer wieder Konzepte mit erarbeiten – um neue Kunden für Corporate Editors zu gewinnen.</p>
<p>Wenn es im Haus heißt, Spielhagens Vorgänger Harm Clüver sei als mobil-Chefredakteur beliebter gewesen, dann hat das vermutlich viel mit diesen Veränderungen zu tun. Der Neue hat den Wandel zwar nicht angestoßen, ihn aber mitgetragen. „Natürlich ist die Arbeitsbelastung größer geworden“, sagt Spielhagen. „Aber das gilt in allen Medienunternehmen.“</p>
<p>Corporate Editors hat sich in den vergangenen Jahren zu einer PR-Agentur entwickelt, die neben Zeitschriften auch Internetauftritte und Image-Filme produzieren kann. Der Außenstehende fragt sich nur, ob die Mitarbeiter der Verlagstochter noch Journalisten oder schon PR-Leute sind. „Unsere Mitarbeiter machen zuallererst Journalismus“, sagt Geschäftsführerin Jäkel. „Die Kunden wollen ja schließlich keine Postille bekommen, die niemand liest.“ Spielhagen sagt: „Ich kann mit den PR-Elementen in mobil gut leben. Denn es ist eindeutige PR. Die Bahn steht erkennbar vorne drauf.“</p>
<p>Gegenüber seines Schreibtischs hängen die Druckfahnen der Juli-Ausgabe. Spielhagen spricht jetzt über die neuen Kinderseiten in mobil, die in Kooperation mit GEOlino entstehen. Seit es sie gebe, werde das Heft von den Fahrgästen häufiger mit nach Hause genommen. Eine Kooperation zwischen der Bahn und Beef! schließt der Chefredakteur dagegen aus: „Das Kochmagazin ist dafür zu sehr auf eine spezielle Zielgruppe zugeschnitten.“ Schade eigentlich. Man hätte es gern im Bordrestaurant gekauft.</p>
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		<title>Hoch gehandelt</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Jul 2011 18:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ralfgeissler</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Chefredakteur der Leipziger Volkszeitung, Bernd Hilder, als MDR-Intendant. Ein Wunsch der sächsischen CDU.</strong></p>
<h5><strong>DIE ZEIT</strong>, 30. 06.2011</h5>
<p>Es ist wie bei der Papst-Wahl: Wer zuerst den Finger hebt, wird es sehr wahrscheinlich nicht. Und so ziert sich Bernd Hilder bei der Frage, ob er denn Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks werden wolle. »Ich bin Chefredakteur der Leipziger Volkszeitung, und das macht mir viel Freude«, sagt er am Telefon immer wieder &#8211; und klingt dabei wie sein eigener Anrufbeantworter.</p>
<p>Der 52-Jährige wird als möglicher Nachfolger von Udo Reiter hoch gehandelt. Vor allem ist er der Wunschkandidat der sächsischen CDU, zu der er gute Kontakte pflegt.</p>
<p>Hilder &#8211; geboren im niedersächsischen Bückeburg &#8211; war Chefredakteur in Stadthagen und Göttingen, bevor er vor acht Jahren zur Leipziger Volkszeitung (LVZ) kam. Er gilt als Alphatier, seit März 2010 ist er auch Sprecher des Deutschen Presserates. In dieser Funktion sagte er einmal über Journalisten: »Wir haben ein schlechteres Image als Berufskiller.« Sein eigenes Image lässt sich in einem Wort zusammenfassen: konservativ.</p>
<p>In den letzten Wochen hatte es den Anschein, der Chefredakteur hätte lieber einen Polizisten zum Oberbürgermeister als den sozialdemokratischen Amtsinhaber. Seitenfüllend geißelten in der LVZ Landespolizeipräsident Bernd Merbitz (CDU) und der städtische Polizeichef Horst Wawrzynski die Leipziger Drogenpolitik als »tickende Zeitbombe«. Raum zur Rechtfertigung für die Verantwortlichen gab es kaum.</p>
<p>Leipzigs Sozialdemokraten sehen einen möglichen Wechsel Hilders zum MDR mit gemischten Gefühlen. Einerseits gönnen sie ihm den Aufstieg nicht. Andererseits wären sie ihn als Zeitungschef gern los. Die Haltung der SPD könnte entscheidend sein. Ohne die Stimmen linker Politiker kann Hilder nicht Intendant werden, er braucht im Rundfunkrat eine Zweidrittelmehrheit. Und seine eigenen Reihen sind angeblich nicht geschlossen. Konservative aus Thüringen und Sachsen-Anhalt zögern noch: Muss es wirklich ein Mann aus Sachsen ein?</p>
<p>Schon als der Sender vergangenes Jahr einen trimedialen Chefredakteur suchte, hieß es, Hilder habe Interesse. Seine Unterstützer betonen, er kenne die ARD. Bevor er zur Zeitung kam, arbeitete er als Hörfunkkorrespondent in Washington und Mexiko. Ob ihn das befähigt, den MDR in die digitale Zukunft zu führen, ist allerdings fraglich. Damals, Anfang der neunziger Jahre, meinte man beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit »Neue Medien« noch den Videotext.</p>
<p>Als die LVZ vergangene Woche über mögliche Intendanten schrieb, nannte sie auch Bernd Hilder &#8211; allerdings nur im Internet. In der gedruckten Ausgabe hatte jemand seinen Namen gestrichen. Die Zurückhaltung muss der mögliche Kandidat noch einige Wochen durchhalten. Die Intendanten-Wahl ist voraussichtlich im September.</p>
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